Matroschkas Babuschkas sammeln

Herkunft und Motive

Matroschkas sind mir seit meiner Kindheit bekannt. Matroschkas oder Babuschkas, wie man sie auch nennt, gehören zu den bekanntesten Exportartikeln Russlands. Kaum einer, der sie nicht kennt. In den meisten Fällen ist es so, dass drei oder fünf Puppen ineinander stecken. Klassischerweise war es so, dass die Püppchen, deren größte durchaus schon größer als 20 cm sein kann, als Motiv das russisches Mütterchen besaßen, welches zusätzlich mit dem obligatorischen Kopftuch ausgestattet war. Die Bezeichnung Matroschka dürfte dabei von dem lateinischen „mater“ für Mutter abgeleitet sein.

In den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten muss sich das Sammelgebiet doch sehr ausgeweitet haben. Schachtelpüppchen gibt es nicht nur aus Russland, sondern sie werden auch in Indien, Polen, gar in China oder Japan produziert. Und natürlich steht nicht nur einzig das russische Mütterchen Motiv, sondern die Darstellungen der Matroschkas reichen von Motiven aus dem Tierreich wie zum Beispiel Pinguinen, Katzen oder Hunden bis hin zu Motiven aus Märchen oder Mythen wie Schneewittchen, Zwergen und Gnomen oder zur Darstellung lokaler und nationaler Heroen wie Feldherren, Weltraumfahrern und Ähnlichem.

Die Geschichte der Matroschkas

Glaubt man Kulturwissenschaftlern wie der Ethnologin Michele Levkovits, so tauchten bereits vor mehr als eintausend Jahren solche Schachtelfiguren beziehungsweise Schachtelpüppchen im Reich der Mitte, in China, auf. Sie erfuhren dort mit Beginn des 19. Jahrhunderts einen regelrechten Boom. Die Puppen waren aus Holz gedrechselt und ineinander gestapelt. Anstelle des kleinsten Püppchens wurde allerdings oftmals ein Reiskorn verwendet.

Vermutlich brachten Reisende aus China solche Schachtelpüppchen dann nach Russland und in andere Länder. Es wird dem russischen Maler, Architekten und Designer Sergey Vasilyevich Malyutin (1859–1937) zugeschrieben, am Ende des 19. Jahrhunderts zu allererst Schachtelpüppchen skizziert zu haben. In Zusammenarbeit mit dem Puppenmacher und Holzschnitzer Vasily Petrovich Zvyozdochkin (1876–1956) entstanden so die ersten Matroschkas. Zvyozdochkin drechselte und schnitzte die Entwürfe von Malyutin, die dieser anschließend bemalte. So oder ähnlich ranken sich verschiedene Mythen um die Entstehungsgeschichte der russischen Matroschkas. Die beiden erwähnten Erfinder kommen dabei in allen diesen Geschichten vor.

Die ersten russischen Matroschkas dürften so um das Jahr 1890 entstanden sein. Auf jeden Fall konnten sie schon 10 Jahre später auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 bewundert werden.

Matroschkas als Massenware und Einzelwerke

Seit der Pariser Weltausstellung wurden Matruschkas als Massenware oder aber überwiegend manuell in geringen Auflagenhöhen produziert. Es versteht sich, dass die manuell produzierten, Hand bemalten und in geringeren Auflagen hergestellten Exemplare einen höheren Sammlerwert besitzen als die industrielle Massenware. Ein weiterer wichtiger Wertindikator ist die Anzahl der ineinander verschachtelten Figuren. Es existieren Einzelfiguren, aber man trifft auch Sets mit bis zu 70 (siebzig!) ineinander gestapelten Püppchen an. Lange Jahrzehnte wurden die Matroschkas ausschließlich aus Lindenholz, weniger Birkenholz, geschnitzt. Zum Schnitzen und Drechseln eignen sich diese Weichhölzer einfach am besten. Das kleinste Püppchen bestand übrigens immer aus Vollholz, war also nie hohl. Die Größenverhältnisse zueinander waren regelmäßig proportioniert, so dass man leicht feststellen kann, ob eines der Stapelpüppchen fehlt.Matroschkas in einer Ausstellung

In den letzten Jahren hat jedoch die Plastikwelle auch diese kleinen Püppchen erreicht und so kann man immer öfter Stapelfiguren aus Polyäthylen oder anderen Kunststoffen antreffen. Unter Sammlern gelten diese Plastikpüppchen allerdings als minderwertig.

Matroschkas aus Russland

Matroschkas aus Russland gelten immer noch als die meist begehrtesten, mit der höchsten Qualität, was künstlerische Momente wie Bemalung oder Ausdruckskraft der Püppchen betrifft. Püppchen aus der frühen Anfangsphase sind noch mit dem Markenzeichen „Made in Russia“ gekennzeichnet. Ab der russischen Revolution und der Gründung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UDSSR) wurde das Markenzeichen „Made in U.S.S.R.“ verwendet. Die für den Export produzierten Artikel verwendeten diese lateinischen Buchstaben, die für die Sowjetunion produzierten Artikel begnügten sich mit der kyrillischen Bezeichnung „CAEMHO B CCCP“, was dasselbe bedeutet. Ab 1991 wurde allerdings die Sowjetunion aufgelöst; aus den GUS-Staaten ging dann wieder Russland hervor, so dass man zwischen „Made in Russia“ alt und neu unterscheiden muss.

In Deutschland und den USA sind die Matroschkas so richtig in den 50er und 60er Jahren aufgetreten. Stapelpuppen mit hoher Qualität entstammen zumeist den Herstellungsorten Sagorsk oder Gorki und sind entsprechend gekennzeichnet. Andere berühmte Produktionsstandorte befinden sich im Bereich der heutigen selbständigen Gebiete Ukraine/Moldawien/Krim/Schwarzes Meer. Gute handgemalte Sets unterscheiden sich oftmals in der Bemalung je nach Püppchengröße. Die russische Produktion zeichnet sich zudem durch eine hohe Motivvielfalt aus. Eines der gesuchtesten russischen Sets ist, wie sollte es auch anders sein, die berühmte Weltraumrakete mit den darin gestapelten Kosmonauten. Der Sammlerwert solcher Raritäten geht mittlerweile in die Tausende.

Matroschkas in anderen Ländern

Die Stapelfiguren sind mittlerweile weltweit beliebt. Wie bei vielen Sammelgebieten wie zum Beispiel Blechspielzeug, Uhren oder Ephemera stellen die Amerikaner ein großes Kontingent an Sammlern. Sie haben die Püppchen auch früh katagorisiert und bewertet. Japaner werden gar als die enthusiastischsten aller Sammler bezeichnet. Sie gehören auf jeden Fall zu den wichtigsten Herstellerländern und sind bekannt für ihre Kokeshi-Püppchen, die sich um die Themen Familie und Ahnenkult bemühen. Die Exportware der Japaner, dies kennen wir zum Beispiel vom japanischen Blechspielzeug, bedient nahezu alle Klischees und Motive. Von Soldaten, Weltraumfahrern, Filmschauspielern, Maharadschas, Sumikämpfern, Mönchen bis zu Eskimos oder Samurai wird nahezu alles produziert, ineinander gestapelt oder verschachtelt.

Auch Indien gehört zu den Herstellern von Schachtelpuppen. Ihre Motive kommen oftmals aus dem heimischen Tierreich wie Löwen, Tiger und Elefanten. Aber ähnlich wie bei den Japanern werden letztlich alle möglichen Motive bedient. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die ehemalige Sowjetunion in den 50er und 60er Jahren Matroschka-Fabriken in Indien etablierte. Es soll nicht selten gewesen sein, dass russische Puppenmacher die einheimische Bevölkerung einarbeitete und anleitete. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass indische Stapel-Püppchen der Nachkriegsjahre einen oftmals „russischen Charakter“ aufweisen und auch mit russischer Ware verwechselt werden können.

Ein Kommentar über “Matroschkas”

  1. Guttmann schrieb:
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    Ich besitze eine 7 teilige Matroschka, die mir meine Eltern 1971 im damaligen Leningrad gekauft haben. Meine Kinder und Enkelkinder interessieren sich nicht dafür und ich würde Sie gern an einen Liebhaber verkaufen. Habe leider keine Ahnung, was sie wert sind!
    Würde mich freuen, wenn mich jemand kontaktieren würde!
    Die Puppe stand fast nur im Schrank und ist in einem sehr guten Zustand!

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