Massefiguren sammeln

Eine kleine Einführung

Ohne Massefiguren machte das Spielen mit Blechspielzeug oder Modelleisenbahn weniger Spaß. Figuren aus Masse in den jeweiligen Maßstäben gehörten einfach zu den Autos, Bahnanlagen, Landschaften oder Ortsmodellen dazu. Deshalb stellten einige der Blechspielzeug-Hersteller auch selbst als Anlagen- oder Modellergänzung Massefiguren her oder aber legten sie bei. Viele Automodelle, etwa bei Arnold, Schuco oder CKO Kellermann sind mit Fahrern aus Masse ausgeliefert worden.

Auf der anderen Seite gab es aber auch spezielle Hersteller von Massefiguren; die Exponate dieser Marken sind heute bei Sammlern begehrt und weisen die entsprechenden Sammlerpreise auf. Die bis dato benutzten Figuren aus Holz, Papiermache oder Gips waren nicht robust genug, sie waren zerbrechlich, andere Materialien wie Zinn oder Blei auch ganz einfach zu teuer. Die Versuche der Spielzeug-Hersteller gingen also schon zeitig in die Richtung, alternative Materialien zu „erfinden“. Dies gelang Emil Pfeiffer mit einem Materialgemisch, der sogenannten „Masse“. Andere Hersteller ließen nicht lange auf sich warten. Die bekanntesten neben Pfeiffer waren Lineol, Hausser mit seinen Elastolin-Figuren, Fröha, Durolin, Schusso, Leyla, Blechschmidt, Lisantol, Gloria, Kienel, Durso.

Über das Material „Masse“

Eine Frage möchte ich doch am Anfang beantworten. Was ist eigentlich Masse? Ganz grob kann gesagt werden, dass Masse aus verschiedenen Grundstoffen zusammengesetzt ist. Dies ist einmal Holzmehl, dazu kommt Kastanienmehl und Mühlenabfall, Gips und Kaolin, welches wir aus der Herstellung von Porzellan kennen. Diese verschiedenen Pulver wurden gemischt und mit Bindemitteln wie Leim zunächst mit der Hand, später maschinell verrührt. Ich denke, dass jeder Hersteller sein eigenes „Rezept“ besaß, aber dies dürfte das Grundrezept gewesen sein. Zur Stabilität wurden Drähte in die Figuren eingezogen.

Figuren aus Masse verdrängten vor dem 1. Weltkrieg die Zinn- und Bleisoldaten aus den Spielzimmern. Dies hatte wesentlich damit zu tun, dass alle Metalle für die Rüstungsindustrie benötigt wurden. So hatte der Weltkrieg durchaus einen Teil „Mitschuld“ am Aufschwung der Massefiguren.

Die Firma Pfeiffer aus Wien

Emil Pfeiffer begann mit der Produktion von Massefiguren in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, – genauer lässt sich der Zeitpunkt nicht eingrenzen. Er hatte schon zuvor Erfahrungen im Spielzeugbereich sammeln können und brachte diese Erfahrungen nun in der Herstellung der Massefiguren ein.

Die Firma Pfeiffer aus Wien war zuvor ein erfolgreicher Hersteller von Puppen, Puppenperücken, Zöpfen und Putzwaren für Damen gewesen. Die Firma Pfeiffer gilt als Erfinder der Massefiguren schlechthin. Als um die Jahrhundertwende Hubert Pfeiffer die Produktion der Massefiguren noch einmal revolutionierte, hatte die Firma schon mehrere hundert Mitarbeiter; sie gehörte damit schon zu den größeren Spielzeugherstellern im deutschsprachigen Raum. Die Neuerungen waren der bereits angesprochen, – Einzug der Metalldrähte zur Stabilisierung an Händen, Ohren, Beinen und sonstigen bruchgefährdeten Stellen, die maschinelle Verrührung sowie der Ersatz der giftigen lösbaren Leimfarben durch unlösbare giftfreie. Viele der hergestellten Spielzeuge wurden exportiert, überwiegend in die USA, wo es bis heute einen riesigen Markt an Sammlern für deutsches Spielzeug gibt. Das Angebot der Firma umfasste kurz vor dem 1. Weltkrieg bereits nahe zu 1.300 Artikel!

Wie viele andere Hersteller von Massefiguren, stellte auch Pfeiffer zunächst Soldatenfiguren her. Der Anfang der Produktion von Figuren aus Masse war nun einmal dem Militär gewidmet, und die meisten Figuren waren Soldaten! Sehr bald erweiterte Hubert Pfeiffer sein Sortiment; die berühmten Tipple-Topple Tierfiguren wurden in das Programm aufgenommen. Tipple-Topple wurde zur Schutzmarke von Pfeiffer, so wie Elastolin die Schutzmarke von Hausser ist. Die Bezeichnung Tipple-Topple soll aus dem Begriff „tipptopp“ abgeleitet worden sein. Die Produktion von Pfeiffer war durchaus am Markt ausgerichtet. So erweiterte bald die Kurzhalsgiraffe Okapi, die erst 1901 entdeckt wurde, das Sortiment. Ansonsten setzte die Firma konsequent auf Qualität. Um diese ständig hoch zu halten, wurden Spezialisten für alle Bereiche der Produktion verpflichtet, so für die eigene Schreinerei, ein gelernter Käfigbauer für die Tiergehege oder für die Modelle selbst den Modellbauer Josef Murmann, der dem Wiener Hagenbund angehörte, einer der fortschrittlichsten Künstlerbewegungen des damaligen Wien, welcher unter anderem auch der Maler Oskar Kokoschka, ein Vertreter des Expressionismus, angehörte. Pfeiffer produzierte fortan in höchster Qualität und mit großem Erfolg.

In Deutschland festigten sich Lineol und Hausser als Konkurrenten, ohne aber zunächst die Qualität von Pfeiffer zu erreichen. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges, der mit dem Zerfall der Donaumonarchie verbunden war, ergriff der wirtschaftliche Niedergang auch die Firma Pfeiffer. Die Produktion konnte noch ein paar Jahre aufrecht erhalten werden, aber im Jahre 1925 wurde Pfeiffer vom mittlerweile größeren Konkurrenten Hausser übernommen. Der gesamte Figurenbereich, die Schutzmarke Tipple-Topple, Teile der Belegschaft und der Familie Pfeiffer wechselten zu Hausser.

Fortsetzung folgt

Information für den Sammler

Als Sammler sollte man bedenken, dass ab den 50er Jahren und dann verstärkt in den 60er Jahren die Verwendung von Kunststoff auch in der Spielzeugwelt Einzug hielt. Der bis dahin verwendete Masseguss wurde durch Kunststoff-Spritzguss ersetzt, was natürlich Auswirkungen auf die verschiedenen Sammlerwerte hat. Ab Ende der 60er Jahre wurden die Figuren ausschließlich im Kunststoff-Verfahren hergestellt. Die Bezeichnung Massefigur aber blieb bestehen.

Ein Kommentar über “Massefiguren”

  1. Dieter Frenzel schrieb:
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    Hallo, zum restaurieren alter Pfeiffer-oder Elastolinfiguren, Indianer, Bauern oder Tiere
    wurden was für Farben verwendet und was kann man
    heute verwenden um nicht zu reparieren oder
    übermalen, sondern artgerecht zu RESTAURIEREN!!!

    Liebe Grüße Dieter Frenzel

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