LEGO sammeln

Eine kleine LEGO-Geschichte

Das vorwiegende Material für Spielzeug war vor dem 2. Weltkrieg Blech, Holz oder Stein (Steinbaukästen). Als in der Nachkriegszeit Plastik und andere Kunststoffe, vornehmlich aus Japan auf den Markt kamen, mussten die europäischen Holz- und Blechspielzeug-Hersteller reagieren. Wem keine passende Antwort einfiel, für den war das betriebliche Aus vorprogrammiert. Wir erinnern uns an den Niedergang der deutschen Blechspielzeug-Hersteller, welche nahezu alle bis zu den 70er Jahren aufgeben mussten. Einige der Wenigen, die die Zeichen der Zeit erkannten, waren in Deutschland zum Beispiel Johann Neuhierl mit der Umstellung von Blech auf die bekannten Carrera-Rennbahnen aus Kunststoff.

Die Anfänge im Jahre 1932 in Billund

In Dänemark gehörte die Tischlerei von Ole Kirk Christiansen sowie dessen Sohn Godtfred Kirk Christiansen aus Billund dazu. Auch sie produzierten vor dem Krieg noch hölzernes Spielzeug, auch Holzbausteine. Ole Kirk Christinsen gründete seinen Betrieb im Jahre 1932. der Firmenname LEGO entstand schon kurze Zeit später im Jahre 1934 und setzt sich aus den Wörtern „leg godt“ zusammen. Auf deutsch bedeutet dies „Spiel gut“. Es war nicht nur die Einführung des Kunststoffes, es war auch die außerordentlich schnelle Entwicklung auf dem Gebiete der Technisierung, Maschinisierung und Automatisierung, welche neue Ideen nahezu aufdrängte. Der Kunststoff war darüber hinaus ein Produkt, welches beliebig formbar war, haltbar, stabil und kostengünstig.

Die Entwicklung der Spielsteine aus Kunststoff

Die Christiansens stellten schon früh Bausteine aus Holz her, nur ließen sich diese nicht miteinander verbinden. Beispiele für verbindende Steine gab es allerdings schon seit dem frühen 20. Jahrhundert. Miteinander zu verbindenden Bausteine beinhalteten einen sehr viel höheren Anspruch an die kindliche Förderfähigkeit. Nach einer solchen Lösung wurde intensiv gesucht.
Die beiden Dänen wurden schließlich schon Ende der 40er Jahre bei der englischen Firma Kiddiecraft fündig. Sie entlehnen von dieser Firma das Maß und die Technik der Noppenverbindung. Beides wird noch einmal mit dem von ihnen verwendeten Kunststoff, Zelluloseacetat, abgestimmt, so dass im Jahre 1949 die ersten Bausteine mit 4 und solche mit 8 Noppen gegossen werden können. Hierzu werden auch die ersten passenden Grundplatten produziert.

Fenster und Türen gab es allerdings zunächst nur als bedruckte Folie, die kurze Zeit danach mit Tür- und Fensterrahmen beklebt war. Die Steine besaßen an den Seiten Schlitze, in welchen die Folien geschoben werden konnten. Die Christiansens nannten ihre Bausteine „Automatic Binding Bricks“. Im Jahre 1950 übernimmt Godtfred Kirk Christiansen den Betrieb von seinem Vater.
LEGO bietet bereits 1955 zusätzlich gewellte Dachsteine sowie eine Garage an. Diese besaß eine Fahrspur sowie ein Klapptor.

Die Vermarktung als „LEGO Mauersteine“

Der Verkaufserfolg der „Automatic Binding Bricks“ war allerdings bescheiden. Ein Grund war gewiss, dass sich die mit Noppen versehenen Plastiksteine lediglich aufeinander stapeln ließen. Sie ließen sich nicht fest miteinander verbinden, wie wir es heute gewohnt sind. Dies rührte daher, dass die Steine auf ihrer Unterseite noch keine Röhrchen besaßen, in welche die Noppen eingepresst werden konnten. Sie waren hohl. Aber die beiden Dänen waren von ihrer Erfindung überzeugt.
Im Jahre 1953 benannten sie ihre Plastiksteine um in „Lego Mauersteine“.
Godtfred Kirk versuchte überdies, mit neuen Marketing-Strategien den geschäftlichen Erfolg herbeizuführen. So tauchte alsbald auf allen Verkaufspackungen, aber auch als Pappschild oder Gummifigur in den Verkaufsläden der LEGO Mann auf, ein freundlicher und immer hilfsbereiter Arbeiter im roten Arbeitsanzug. Er trug ein weißes Hemd, schwarze Schuhe sowie eine rote Kappe. Als Gummifigur war er mit einem Anzug aus Stoff bekleidet. Den LEGO Mann gab es bis etwa 1972.

Zugleich wurde LEGO als ein „System“ deklariert. Mit diesem Begriff „System“ sollte von den potentiellen Käufern die Mannigfaltigkeit der Spielmöglichkeiten verbunden werden. Zusätzlich befinden sich Bauanleitungen auf Verkaufspackungen, Beipackzetteln, Katalogen oder Prospekten.

Einführung in Deutschland und Innovationen

Im Jahre 1956 werden die dänischen Kunststoffsteine in Deutschland eingeführt. Die Steine gibt es vorerst nur in rot und in weiß, den dänischen Nationalfarben.

Die große Innovation geschieht im Jahre 1958. Jetzt erhalten die bislang innen hohlen Bausteine kleine Röhrchen, welche mit Verstrebungen zu den Rändern versehen sind. Ab jetzt sind die gewünschten Verpressungen der Noppen in solche Röhrchen möglich; die Spielvielfalt wird hierdurch entscheidend erhöht, so ist es nun möglich, z.B. Brückenbögen zu konstruieren, welche allein aufgrund der Verpressung oder auch Klemmwirkung in sich hält. Zugleich ändert sich die Form der Dachbausteine, welche ihre gewellte Form aufgeben und nun in der bekannten abgeschrägten Form angeboten werden.




Im Jahre 1962 konnten wir Kinder nun endlich Autos konstruieren. LEGO bietet Räder in 2 Größen an. Auf diese Räder werden mitgelieferte Gummireifen übergestülpt. Ich kann mich noch sehr genau an meine ersten Legoräder zu Beginn der 60er Jahre erinnern.

Aber ein Problem blieb. Man merkte es erst nach einigen Jahren. Die älteren Legosteine, holte man sie nach längerer Zeit wieder vom Dachboden, waren verzogen!

Abbildung rechts: Ältere LEGO-Verpackungen

Dieses Problem konnte weitgehend im Jahre 1963 behoben werden. Der bislang vergossene Kunststoff, Zelluloseacetat, wurde aufgegeben, und fortan wurden die Bauteile aus Acrylnitril-Budatin-Styrol gegossen beziehungsweise gespritzt. Selbst bei Temperaturen bis 40 Grad Celsius konnten sich die Bausteine nun nicht mehr verziehen! Auch dem bislang bekannten Ausbleichen der roten Farben konnte damit entgegengewirkt werden. Im Gegenteil: LEGO legte zu. Neue Farben bereicherten die Palette; Bausteine in zunächst Gelb und Blau, etwas später auch schwarze, grüne und graue unterstützten die neuen Baumöglichkeiten und -varianten. Nun hatte LEGO das eigene hehre Ziel erreicht, nämlich ein vielseitiges Spielzeug zu schaffen, welches Inspiration und Kreativität von Kindern, und nicht nur Kindern(!), entscheidend fördern konnte.

1966 schon konnte die erste LEGO-Eisenbahn auf dem Markt angeboten werden.

Zwei Jahre später landet die Firma einen weiteren Volltreffer; 1968 wird der erste LEGO Freizeitpark, Legoland, in Billund, dem Firmensitz, eröffnet.

Diese Innovationen waren mitentscheidend dafür, dass sich LEGO im Verlauf der 60er Jahre, der Zeit des Wirtschaftswunders, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA fest etablieren konnte. Alles konnte nun mit den LEGO-Bauteilen gebaut werden, – alles? Nein! Da fehlte noch etwas: der Mensch, die Leute, die Figuren!
1974 war es soweit. Die LEGO Figur kam auf den Markt. Den Kopf konnte man drehen, Arme und Beine waren in ihren Gliedern beweglich.

Neue Spielserien und DUPLO für die Kleinen

Zu den Marktstrategien gehörte es auch, das LEGO-System auch für Kindergartenkinder, sogar für Kinder unter 3 Jahren, interessant zu machen. Nur dafür waren die Bausteine viel zu klein. Die Christiansens experimentierten bereits seit 1960 mit mehrfach vergrößerten LEGO-Steinen, um dieses Marktsegment zu erschließen. Zuerst war es der amerikanisch Lizenznehmer von LEGO für Nordamerika, der Kofferhersteller Samsonite, der die ersten ebenfalls noch hohlen vergrößerten Plastiksteine in USA und Kanada bis Anfang der 70er Jahre als „Jumbo-Bricks“ unter anderem für Kindergärten vermarktete. Sie waren allerdings, da hohl, nicht auf die normalen Legosteine aufpressbar. Unabhängig von Samsonite entwickelte LEGO weiter und kam 1969 mit dem System „DUPLO„, dieses kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „verdoppeln“, auf den Markt. Die größeren Steine besaßen zwar schon die notwendigen Röhren zum Einpressen oder Einklemmen, aber die genaue Paßgenauigkeit mit den kleineren LEGO Steinen konnte erst ein Jahr später in 1970 hergestellt werden. DUPLO erscheint ab 1980 als eigenständiges System, welches kompatibel zu LEGO ist, mit dem Kaninchen als Logo.

LEGO näherte sich somit immer mehr einem seiner Leitziele: „Jeden Tag ein neues Spielzeug“ und am besten natürlich für jedes Alter! Die Philosophie scheint aufgegangen. Hat man einmal eine Grundpackung erworben und sieht in den Anleitungen, was mit den Steinen alles möglich ist, kommt man um den Kauf eines Ergänzungskastens oder Ergänzungspaketes nicht herum. LEGO animiert zum Weiterkaufen und reagiert auch jeweils auf den Zeitgeist.
So sind mittlerweile spezielle Serien für andere Altersgruppen hinzugekommen.
1979 erscheint „LEGO TECHNIC“, speziell ausgerichtet für die jungen Tüftler der ersten Schulklassen, ein Spielzeug, an welchem auch Eltern noch ihren Spaß haben.
Andere spätere erfolgreiche Serien sollen hier nur erwähnt werden: 1980 RAUMFAHRT, 1983 DUPLO BABY, 1984 RITTER, 1989 PIRATEN, ab 1979 FABULAND, 1988 ZIRCUS, 1990 ZOO und in den letzten Jahren erwähnenswert noch die Lego Star Wars Serie.

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3 Kommentare über “Lego”

  1. Kerstin U. schrieb:
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    Umständehalber hätte ich Bionicle-Figuren aus den Ende Neunzigern/Anfang 2000 an Liebhaber/Sammler abzugeben.
    Diese Figuren waren in dazugehörigen Dosen erhältlich und für Kinder ab 7 Jahren empfohlen.
    Es sind die Figuren mit den Nummern 8531-8536, 8560-8568, 8570-8578, 8587-8592 und 8601-8606 sowie die Bauanleitungen vorhanden.
    Mir liegt daran, diese Figuren in liebevolle Hände zu geben, da ein ideeller Wert für mich damit verbunden ist.

  2. LEGO Verkauf schrieb:
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    Falls jemand Interesse an gebrauchten Lego Artikeln (viele Sammelstücke) freue ich mich euch in meiner Facebook-Gruppe begrüßen zu dürfen!

    http://www.facebook.com/groups/576602962354996/

  3. Lothar Renz schrieb:
    Dem Autor eine E-Mail senden!
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    Lego hat zwischen den 50er und mitte der 60er Jahre auch Modellautos im Maßstab H0 produziert, wohl als Konkurrenz zu den aufstrebenden Wiking-Verkehrsmodellen. Die Modelle bestanden aus dem gleichen Kunststoff wie die Steine vor 1963, Zelluloseacetat. Das schließe ich daraus, daß manche der Modelle sich verziehen können, vor allem die LKW mit Pritschenaufbauten und manche der PKW, udn immer an den gleichen Stellen.
    Manche der Karosserien bestanden aus glasklarem Kunststoff und wurden handbemalt, später wurden die Fenster eingesetzt. Die Bodenplatten der PKW bestanden immer aus silbern bemaltem, glasklarem Kunststoff. Alle Räder waren aus Aluminium gedreht und steckten auf Stahlachsen.
    Mir bekannt sind folgende Modelle:
    VW Käfer ’56 (eines der bemalten Exemplare)
    Citroen DS19
    Mercedes 220S
    VW Karmann Typ 14 ’56 (das einzige mir bekannte Exponat mit eingesetzten Scheinwerfern)
    Taunus P2 Limousine (Barocktaunus, verbiegt sich immer um den Radausschnitt am linken vorderen Kotflügel)
    Taunus P3 Limousine
    Dazu gabs Bedford LKW und Mercedes 1013 Kurzhauber in verschiedensten Ausführungen wie Pritsche/Plane, Tanksattel, Feuerwehrleiter/Steiger, Autotransporter etc.
    Es scheint auch Traktoren gegeben zu haben, da es auch Anhänger mit Landwirtschaftlichem Charakter gab.
    Anders als manchmal behauptet, sind die Modelle von Lego keine Abgüsse von Wiking-Modellen, vielmehr sind Maße und Gravuren sehr unterschiedlich.

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