Galionsfiguren

Galionsfiguren hatten einen jahrhundertelangen Platz in der Seefahrt. Sie waren der Schifffahrt unter Segeln zugeordnet, waren Bestandteil von Segelschiffen. Ihren Namen hatten sie ihrem Platz vorn am Bug der Schiffe zu verdanken. Dort befand sich die Galion als vorderster begehbarer Bereich des Schiffes. Dort, wo Bugspriet und Galionsreling über den eigentlichen Bug ins Meer hinausragten, befand sich in Anlehnung an die Bezeichnung „Galion“ die Galionsfigur.

Geschichte der Galionsfigur

Die Galionsfigur entsprang einem rituellen Zeremoniell wahrscheinlich im 15. Jahrhundert. Bei der Schiffstaufe dieser frühen Kriegs- und Handelsschiffe wurde oftmals ein Schlachttier, zumeist waren es Hammel oder Schafe, geopfert. Deren Schädel, mit oder ohne Fell, schmückten dann den vordersten Bereich der Galion. Dies galt bereits für Kriegs- und Handelschiffe ab dem 16. Jahrhundert, für die große Zeit der Segelschifffahrt ab dem 18. Jahrhundert als auch für die Linienschiffe des 20. Jahrhunderts.
Die Verzierungen von Bug und Heck kennen wir allerdings auch schon von den antiken Segelschiffen der Griechen und der Römer. Göttliche Figuren konnten hier den Bug zieren, während das Heck mit Schwanenhals und Schwanenkopf ausgestattet sein konnte. Bei den Wikingerschiffen waren Schlangenkopf und Schlangenschwanz als Verzierungen an Bug und Heck bekannt.

Heidnische, mystische und religiöse Gründe

Es gab wohl vielfältige Gründe, mit einer Galionsfigur voran in See zu stechen. Vielleicht mochte man die Geister und Götter des rauhen Meeres besänftigen wollen, vielleicht sogar damit ausdrücken wollen: “Wir haben gar keine Angst vor euch!“ Es war, als man von echten Tierschädeln zu Holzfiguren wechselte, oftmals der Drache, dieses furchterregende Fabelwesen, welches den Bug zierte. Der Drache steht für Kampf, Stärke und Einschüchterung und wurde ja auch schon bei frühmittelalterlichen Schlachten zu Land vorweg getragen, um dem Gegner seine Stärke zu vermitteln. Ab etwa 1600 kam der Löwe als Galionsfigur auf. Er versinnbildlichte die Schnelligkeit und den Mut bei Angriffen auf den Gegner. Übrigens waren, wenn es königliche Schiffe waren oder im Auftrag der Majestäten unterwegs, die Mähnen von Löwen vergoldet und mit entsprechenden Kronen versehen. Man nannte solche königlichen Schiffe „Regalschiffe“. Allgemein war es wohl so, dass das Wesen der jeweiligen Galionsfigur auf dem Schiff zugeschrieben werden sollte, und dies für den anderen früh erkennbar.
Es gab allerdings auch ganz andere Gründe für das Anbringen von Galionsfiguren. So schmückte das Flaggschiff Golden Hind (Goldene Hirschkuh) von Sir Francis Drake, dem großen englischen Piraten, der später Kapitän im Dienste von Königin Elisabeth I. wurde, auch ein Hirschkuhkopf als Galionsfigur den Bug. Dies geschah zu Ehren von Sir Christopher Hatton, einem engen Freund von Sir Francis Drake; die Hirschkuh war Bestandteil dessen Familienwappens.
Außer den eben geschilderten Figuren kamen um 1750 auch verschiedenste Tierarten als Motiv hinzu. Galionsfiguren konnten nun Adler, Seepferdchen oder Delphine darstellen. Auch die Götter der antiken Sagenwelt wie der Meeresgott Poseidon, Neptun oder Göttervater Zeus durften nicht fehlen. Andere Figuren aus der Mythologie wie Viktoria, die Siegesgöttin oder die Darstellung einer Meerjungfrau waren beliebt und bereicherten das Spektrum.

Bergung einer alten Galionsfigur

Die lange Zeit älteste Galionsfigur war ein Löwe, der den Bug des schwedischen Kriegsschiffes „Wasa“ zierte. Dieses versank bereits auf seiner ersten Fahrt und konnte im Jahre 1961 geborgen werden. Der etwa 4 Meter lange Löwe, aus Holz gearbeitet, war noch gut erhalten.

Eine zeitliche Zäsur

Man kann sagen, dass sich ab etwa 1800 eine Änderung beim Korpus der Galionsfiguren abzeichnete. Waren bis dato überwiegend ganze Figuren dargestellt, so wurden ab diesem Zeitpunkt mehr Büsten oder Teilkörper hergestellt. Typisch waren Dreiviertelkörper.

Wer stellte die Galionsfiguren her?

Galionsfiguren wurden aus Holz geschnitzt und anschließend bunt bemalt. Es waren spezielle Bildhauer und Schnitzer, die dieses Handwerk ausübten. Das Arbeitsfeld dieser Schnitzer und Bildhauer beschränkte sich dabei nicht nur auf die Arbeit an den Galionsfiguren; sie waren auch in anderen Bildhauerbereichen tätig, wie in der Herstellung von Heiligen- oder Kirchenfiguren. Der Bedeutung der Galionsfiguren entsprechend genossen diese Künstler bei Hofe hohes Ansehen. Es waren die hohen Stände, oftmals das Herrscher- oder Königshaus, welches den Auftrag zur Herstellung dieser Figuren vergab. So wurde man sich zusammen mit dem Künstler über Motiv, Form und Farbgebung einig. Aufgrund des Auftrages fertigte der Schnitzer ein Modell in Wachs an, welches von den Auftraggebern begutachtet werden konnte. Auch konnten noch Änderungswünsche berücksichtigt werden. Nach endgültiger Übereinkunft schnitzten die Künstler die Galionsfiguren aus Holz. Die Künstler hatten ihre Ateliers überwiegend dort eingerichtet, wo sie am besten zu Aufträgen kamen, nämlich in den Häfen, dort, wo auch die Schiffe gebaut wurden.




Das Ende zu Beginn des 20. Jahrhunderts – Galionsfiguren werden zu Sammlerobjekten

Mit Ende des ersten Weltkrieges wurde der Bedeutungsverlust der Segelschifffahrt wirksam. Seit jener Zeit gibt es das eigenständige Handwerk der Galionsfiguren-Schnitzerei, das sich durch intensive Ausbildung auszeichnete, nicht mehr.
Galionsfiguren sieht man vielleicht noch an nationalen Segelschulschiffen wie der Gorch Fock, ansonsten sind diese Zeugen der Seefahrtgeschichte zum beliebten Objekt von Spezialsammlern geworden. Als häufiger Besucher unserer Nordseeküste habe ich sie auch schon als Deko-Objekt in Strandlokalen und anderen privaten Einrichtungen gesehen. Mittlerweile werden sie leider auch schon als Imitat aus Kunststoff oder Keramik hergestellt. Die originalen Figuren aus Holz erzielen allerdings hohe Preise. Der Sammlerwert mancher gut erhaltener Galionsfigur kann schon einmal 5-stellige Eurowerte erreichen. Dem Anfänger empfehle ich einen Besuch im Altonaer Museum in Hamburg mit einer großen Auswahl an Galionsfiguren  oder aber einen Besuch im kleinen, aber feinen Schifffahrtsmuseum in Brake an der Unterweser.

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