Die Fünfziger und Sechziger Jahre

50er Jahre 60er Jahre

Wirtschaftswunderjahre Wirtschaftswunderland

Die langen Fünfziger Jahre

Die 50er und die 60er Jahre: Wenn wir zurückschauen, ist kaum ein Zeitabschnitt der deutschen Geschichte so positiv besetzt, wird kaum eine Epoche so mystifiziert oder auch verklärt wie die Zeit des Wirtschaftswunderlandes. Die Nachkriegsjahre, die späten vierziger, diese entbehrungsreiche Zeit, waren vorüber und ein Rausch erfasste die Nachkriegsgeneration, vor allem die Jugend. Ein Lüftchen zunächst, dann bis zu einem Beben anhebend, welches nachhaltige Veränderungen in der Lebensphilosophie nach sich zog. Die Zeit war geprägt vom steten wirtschaftlichen Aufschwung, der ein Ende erst mit der wirtschaftlichen Rezession, der Krise 1966/67 hatte. Die Zeit von den frühen Fünfzigern an bis hin zur Studentenbewegung 1968 wird daher auch oft als die Langen Fünfziger bezeichnet. Ich möchte sie daher auch in diesem kleinen Text als eine zusammenhängende Epoche betrachten.

Fünfziger Jahre Stil Sechziger Jahre Stil

Sektgläser 60er Jahre

Sektgläser aus den frühen 60er Jahren

Es gibt Stimmen, welche behaupten, dass diese Zeit mehr verändert hat als die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Vielleicht ist sie deshalb für uns Sammler, die wie ich selbst in den Fünfzigern geboren wurden, so interessant. Nicht nur das Auflehnen gegen das Elternhaus, gegen eine Generation, die vom Krieg, vom Verzicht geprägt war, war ein Charakteristikum der Zeit. Es waren auch die unverwechselbaren Dinge des Alltagslebens, die kleinen Dinge, heute unscheinbar und im Informationszeitalter kaum noch nachvollziehbar, die unseren Alltag bestimmten und ausfüllten und sie zu immer beliebteren Sammelobjekten machen, sehr wahrscheinlich in hohem Maße von Sehnsucht bestimmt, Sehnsucht nach einer Zeit, in der der vieles einfacher war, zumindest in der verklärten Sicht, und die wir uns scheibchenweise in die Gegenwart zurückholen möchten.

Die Zeit des Wirtschaftswunders war gekennzeichnet von verschiedenen sich auchNivea Zahnpasta überlappenden Phasen: Bekannt ist der neue Konsum, Konsum von Dingen, welche sich früher nur wenige leisten konnten. Die sogenannte Freßwelle Anfang der Fünfziger ist Ausdruck dieses Konsums und nach den Hungerjahren der Kriegszeit nachvollziehbar. All die Dinge, die Jahre zuvor rationiert wurden, waren nach der Währungsreform unmittelbar wieder in ausreichendem Maße in den Geschäften. Die Wohnwelle kam hinzu, die Mobilisierungswelle, die Reisen nach Italien, dem neuen Sehnsuchtsland mit der Isetta oder dem Käfer. Der Kugelschreiber wurde erfunden. Die Gesellschaft war zudem stark amerikaorientiert, die dortigen Trends wurden aufgenommen, was von dort kam, war modern. Überhaupt – modern sein, eines der Schlagworte der damaligen Zeit.

In den frühen Nachkriegsjahren war Nivea als Zahnpasta bekannt!

Mode der frühen 50er Jahre

Mit modern sein verbunden war Rock’n'Roll aus dem Kofferradio, die erwähnten Reisen nach Italien, sogenannte Cocktailparties, natürlich mit den entsprechenden Cocktailkleidern. Was modern und zum neuen guten Leben gehörte, – dies erfuhr man durch Versandhauskataloge, allen voran das Versandhaus Neckermann aus Frankfurt. Der erste Neckermann-Katalog erschien am 1. April 1950.
In dem Katalog konnte man die aktuellen Kleidungsstücke dieser Zeit auswählen und bestellen. So konnten sich Damen plötzlich mit modischen “Blusen” kleiden, obwohl am Wohnort keine Geschäfte ansässig waren. Im Alltag trug die Frau damals oft nur praktische Zweiteiler, Blusen, Röcke oder Twinsets. Der Neckermann-Katalog bot hierfür nun plötzlich die Sonntags-Variante.
Ende 1953 bot der Katalog die berühmten Röhrenradios “Radio-Super” an, später kamen dann Waschmaschinen, Wäscheschleudern, Kühlschränke hinzu, ab 1954 sogar Schallplatten.

Das meistgesehene und gesendete “Fernsehprogramm” dieser Jahre auf den wenigen Fernsehern war das Testbild!

Neben dem ersten Fernseher schmückte die frühen Zimmer der unvermeidliche weite Schalensessel, aufgerautes Leder auf ein Stahlrohrgestell gespannt, der Nierentisch, die Musiktruhe mit Schallplatten von Catarina Valente oder die drei- oder vieretagige Blumenbank.

Modekatalog 50er Jahfre

Neckermann Katalog von 1953

Neckermann Katalog aus dem Jahre 1953

Trotz allem Neuem, welches ständig unser Alltagsleben umgab, waren die fünfziger und auch noch großenteils die sechziger Jahre geprägt von politischer Einseitigkeit und moralischem Muff.  “Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren”, so hieß es Ende der Sechziger unter den Studenten bei ihrer Kritik an den Hochschulverhältnissen. Im Bereich der Mode war entgegen der flotten Aufmachung in den Katalogen, siehe den Neckermann Katalog, auch die Kleidung des Normalbürgers recht hausbacken. Mit dem heutigen Verständnis von Mode hatte dies wenig zu tun. Nach der Jahrtausendwende gibt es einen Modetrend, für die speziell die ältere Generation dankbar sein wird. Das Modeangebot für Senioren wird selbstbewusst nach außen beworben. Damenmode oder Herrenmode auch mit Sondergrößen und Sonderanfertigungen, stehen im Chic der Angebote für jüngere Menschen in nichts nach.

Im Bereich der Jugendkultur wurden erstmals Tabus gebrochen. An vorderster Front hierbei ganz gewiß die Musik: der Rock’n Roll in den Fünfzigern und die Beatmusik in den Sechzigern. Dazu kamen für die in den Fünfzigern Geborenen die Zeitschrift “Bravo“, welche, wir erinnern uns an die wöchentliche Rubrik “Dr. Sommer”, die sexuelle Aufklärung anstelle des Elternhauses übernahm. Zeitschriften, die damals oftmals heimlich, unbemerkt vom Elternhaus, gekauft und gelesen wurden. Die Änderungen und das Infragestellen betraf viele Bereiche der Alltagskultur. Und natürlich gehörte Amerika und der amerikanische Stil, zu leben, durchaus zu den Träumen der Nachkriegsgeneration. Einer der bekanntesten Moderatoren, die das nachkriegsdeutsche Bild von den Vereinigten Staaten mitprägten, war Peter von Zahn. Zunächst im Rundfunk, später auch im Fernsehen, sendete er regelmäßig Berichte über die amerikanische Alltagskultur. Seine 30-minütige Fernsehsendung “Aus der neuen Welt” wurde von 1955 bis 1961 ausgestrahlt. Auch wenn in vielen Bereichen die neue Kultur angenommen wurde, blieben andere Bereiche gegenüber den Neuerungen weiterhin tabu.  So wollte sich die Moderne in den Schlafzimmern damals noch nicht einstellen; geschlafen wurde zum Beispiel weiterhin in Betten mit dem gewohnten Federrost. Boxspring Betten, so wie sie heute sehr verbreitet sind, wurden allerdings auch damals schon in der erwähnten Sendung  von Peter von Zahn vorgestellt. Im Fernsehen geschah bezüglich Jugendkultur und Tabubruch  ein weiterer wesentlicher Einschnitt mit der Ausstrahlung der Musiksendung “Beatclub”.
Standbild Fernsehen

Standbild Fernsehen 50er Jahre

Von den einzelnen Bereichen der Alltagskultur, der Mode, den Gebrauchsgegenständen, Möbeln, Porzellan und vielem Anderen mehr wird in den Untertiteln berichtet. Sie werden zudem noch einmal zu ihren eigenen Sammelgebieten verlinkt, damit für den Sammler die Übersicht gewahrt bleibt. So werden z-.B. Kofferradios der Fünfziger Jahre als Untertitel der 50er Jahre als auch als Untergebiet des Sammelgebietes Radios erscheinen.

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Vasenstil der Fünfziger Jahre

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5 Kommentare über “Die 50er/60er Jahre”

  1. Beckstett schrieb:

    Hallo zusammen,

    gibt es eine Audio-CD mit den Titeln “Jedes Knöpfchen find sein Fleckelchen” von Lilo Pulver und “Knöpfchen,Knöpfchen, Silberknöpfchen”.Bitte dringend um Meldungen!!!

  2. nana lorenthal schrieb:

    sehr gut gestaltete Seite

  3. Fritz Becker schrieb:

    Sehr nett gemacht. Ich bin seit lqanger Zeit auf der Suche nach einer TV sendung. Ser Titel war ” Wir Wirtschaftswunderkinder”. Ich glaube die Sendung wurde vom damaligen ” Adenauerfernsehen” (ZDF) gesendet. Ist Ihnen diese Reihe, drei oder vier Teile bekannt?

    Mit freundlichen Gruessen aus Australien

    F.Becker

  4. Edith Stantke schrieb:

    Ein freundliches Hallo,

    der Beitrag über “Die 50er/60er Jahre” hat mir sehr gut gefallen. Ein Stück Zeitgeschichte, die Erinnerungen weckt, wenn man zum Jahrgang 1953 gehört. Vielen Dank dafür!
    Ich habe eine Erzählung geschrieben, die diesen Zeitraum beschreibt. Über einen Besuch auf meiner Homepage edit-patrice.de würde ich mich sehr freuen.

    Edith Stantke

  5. Lydia Lohse schrieb:

    Liebe Sammler & Sammlerinnen,

    wir sind Studenten der Filmakademie Ludwigsburg und drehen Ende August einen Werbespot für die Marke Diesel.
    Die Geschichte dieser Werbung spielt in den amerikanischen 60er Jahren und dem entsprechend brauchen wir eine gesamte Wohnungseinrichtung im 60er Jahre Stil.
    Egal ob Oldtimer, Comicheft oder Couch – wenn ihr eure Sammlerstücke mal im Film & Fernsehen zur Schau stellen wollt – immer her damit! Das ist die perfekte Gelegenheit!
    Wir sind auch dankbar für jeden Tipp im Bezug auf Sammler-Clubs, -Vereine, -Geschäfte im Raum Baden-Württemberg (auch ganz Deutschland).

    Also, nur keine Scheu – alles was die 50er und 60er angeht kann von Nutzen für uns sein.
    Schon mal vielen Dank im Voraus und Schöne Grüße aus Ludwigsburg,
    Lydia Lohse

    Produktionsassistenz
    Diesel “Housekeeper”
    ____________________
    Filmakademie Baden-Württemberg
    Produktionsbüro Werbefilm
    Gebäude MET, Raum 1.17
    Akademiehof 10
    71638 Ludwigsburg

    Telefon: 07141 – 969 283

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