Comics Sammeln

Zur Geschichte der Comics Vorläufer in Urzeit und Antike

Comics Strips sind Streifen von einzelnen Handlungen oder Bildern mit kurzen Texten, zum Teil in Sprechblasen, mit einer meist abgeschlossenen Handlung. Wo aber liegt der Ursprung solcher Bildergeschichten? Vorsichtig sollte man mit der Auffassung umgehen, bereits urzeitliche Bilderreihen hätten etwas mit Comics zu tun! Die steinzeitlichen Höhlenmaler von Lascaux wollten mit ihren Zeichnungen etwas aussagen, zum Beispiel über die Tierkreiszeichen am Sternenhimmel. Aber waren für sie die Zeichnungen nicht das einzige Mittel, etwas zu berichten oder zu hinterlassen? Eine Schrift, um etwas mitzuteilen, gab es noch nicht! Und gerade hier besteht aber ein eklatanter Unterschied zu unserer heutigen Zeit.

Auch für die bildhaften Darstellungen der Trajansäule, immer wieder als einer der Vorläufer der Comics genannt oder gar die bebilderten Bibeln des Mittelalters sollte man tunlichst nicht in die Ursprungsdeutung von Comics einbeziehen. Noch im Mittelalter war es nur Wenigen vorbehalten, sich mit der Schrift als wichtigstem Ausdrucksmittel zu beschäftigen. Dies geschah eher an den den Höfen und in den Klostern. Bebilderte Geschichten dienten unter anderem der Information der der Schrift nicht kundigen Bevölkerung. Und noch ein Unterschied tritt hier zutage: Ob in den Höhlenmalereien von Lascaux oder den antiken und mittelalterlichen Bildergeschichten, – immer wurde entweder von der alltäglichen Wirklichkeit berichtet oder es wurden Informationen weitergegeben oder Realitäten abgebildet. Vielfach hatte die mittransportierte Botschaft religiösen Charakter!

Comic als Fiktion und Unterhaltung – Die Entwicklung und Ursprünge in Mittelalter und Neuzeit

Der Comic hingegen kennt nahezu nur die Fiktion. Er dient vornehmlich der Unterhaltung in einer Gesellschaft, welche sich auf einer ganz anderen kulturellen Ebene bewegt. Nehmen wir das Genre der Unterhaltung, so können wir einen Bogen spannen zu Bilderserien des 19. Jahrhunderts, welche wahrhaft geeignet wären, in ihnen die Ursprünge der modernen Comics zu erkennen. Ich meine die im 19. Jahrhundert populären Bilderbogenserien. Sie besaßen unterhaltenden Charakter, dienten zuweilen allerdings auch noch der Information oder Bildung.
Am bekanntesten in Deutschland und Mitteleuropa waren die Neuruppiner Bilderbogen. Bilderbogen wurden in Deutschland allerdings auch in München, Augsburg, Nürnberg hergestellt. Sie waren relativ einfach aufgebaut, leicht verständlich, also eher für das gemeinere Volk gedacht. Sie entwickelten sich zu einem regelrechten „Renner“.

Die Bilderbögen gab es unter anderem als Einblattdrucke, welche schon aus dem 15. und 16. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bekannt und auch zu jenen frühen Zeiten schon mit einem gewissen Witz und Ironie ausgestattet waren. Sie gab es auch als Bilderserien.
Neben den deutschen Standorten war im 19. Jahrhundert insbesondere die Imagerie d’Epinal aus den Vogesen bekannt. Diese 1796 gegründete Druckerei bezeichnete ihre Bilderbögen selbst als Vorläufer der heutigen Comics. Die nachfolgenden Bilder zeigen Ausschnitte aus Bilderbögen der Imagerie d’Epinal aus dem 19. Jahrhundert.

Ich denke, dieses Recht steht den anderen genannten Bilderbogen-Standorten ebenfalls zu.Epinal ComicEpinal
Im Falle der Druckerei in Epinal kommt allerdings hinzu, dass sie bereits im 19. Jahrhundert Bilderbögen speziell für den Export in die USA angefertigt hatte, wo ja dann fast einhundert Jahre später die Hausse des Comics als unterhaltender, belustigender und insbesondere kommerzieller Gegenstand begann.

Neben Epinal würde ich allerdings mit Nachdruck auf die Münchener Bilderbogen, welche seit 1849 erschienen, verweisen. Auch bei den Münchener Künstlern können wir wesentliche Ursprünge der Comics ausmachen. Dies hat in besonderem Maße mit einem Mitarbeiter der Münchener Bilderbögen zu tun, der später mit Max und Moritz weltberühmt werden sollte: Wilhelm Busch.

Wilhelm Busch, William Hogarth, Heinrich Hoffmann,
Rodolphe Töpffer und andere

Ein Pfarrer aus Salem (USA) übersetzte bereits 1870 die fünf Jahre zuvor veröffentlichten 7 Streiche von Max und Moritz für den amerikanischen Markt. Dem Verleger des „New York Journal“, W.R. Hearst, gefielen die Bildergeschichten von Max und Moritz derart, dass er einen deutschen Einwanderer namens Rudolph Dirks beauftragte, eine ähnliche Bildergeschichte für seine Zeitungen zu kreieren. W.R. Hearst befand sich zudem in Konkurrenz mit Richard F. Outcault, der in der „New York World“ die Bildergeschichte „The Yellow Kid“ präsentierte, fast schon sozialkritische Geschichten, welche jedoch nicht in einer Abfolge von mehreren Bildern, sondern als Darstellung auf einem einzigen größeren Bild gedruckt wurde. Richard Outcault bewegte sich sich mit seinem „The Yellow Kid“ in der Tradition William Hogarths, welcher bereits im frühen 18. Jahrhundert kritische Karikaturen mit den später bei Comics so beliebten Sprechblasen veröffentlichte. Also auch bei Outcault und Hogarth wie überhaupt in den frühen Karikaturen finden wir wichtige Wurzeln für die Entwicklung der Comics.

Nicht vergessen sollten wir in Bezug auf die Entstehung der Comics allerdings den Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann, der bereits 1845 seinen „Struwwelpeter“ veröffentlichte. In seinen Geschichten wie z.B. dem „Zappelphilipp“ sehe ich persönlich entscheidende Wegbereiter der heutigen Comics.
Auch nicht zu vergessen den von Goethe so gelobten deutschstämmigen Schweizer Rodolphe Töpffer, ein Meister der Karikatur, mit seiner bereits 1833 entstandenen „Histoire de Monsieur Jabot“. Seine skurrilen Bildergeschichten kann man mit gutem Gewissen als Vorläufer der Bilderbögen betrachten.

Max und Moritz und „The Katzenjammer Kids“

Aber zurück zu Hearst und Rudolph Dirks, dessen gezeichnete Comics um 1900 in den Zeitungen von Hearst erschienen. Die Serie von Dirks hieß „The Katzenjammer Kids„.

Katzenjammer Kids

Linkes Bild zeigt eine Szene aus den Katzenjammer Kid, das rechte Lehrer Lämpel aus Max und Moritz

Der Vergleich der beiden Bilder zeigt offensichtlich, wie sehr Dirks vom Original, Max und Moritz mit Lehrer Lämpel, inspiriert war.
Hinzuzufügen ist, dass die Veröffentlichung von humoristischen Bilderfolgen nicht nur dem Konkurrenzgedanken der Zeitungsverleger entsprang, sondern auch dem betrieblichen, das heißt kommerziellen Interesse, die teuren Druckmaschinen, bei Hearst die lange Zeit brach liegenden Farbdruckmaschinen, besser auszulasten.

Insbesondere bei den Katzenjammer Kids sieht man bereits die künstlerische VereinfacLehrer Lämpelhung, welche typisch für die Comics werden sollte. Auch ein weiteres Moment der ersten Comics, der gesellschaftskritische Ansatz, erkennbar z.B. im Comic „The Yellow Kid“ von Richard F. Outcault, wurde sehr bald nicht mehr verfolgt. Auch „The Yellow Kid“ wurde alsbald eingestellt.
Comics mit allzu kritischem Inhalt waren in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts keine lange Lebensdauer beschieden. Kritische Comics kamen meines Erachtens erst wieder in den 60er Jahren auf.

Traumwelten der 50er und 60er Jahre – Der Comic der Nachkriegszeit

Comics unterlagen anfangs allein dem kommerziellen Grundgedanken. Probleme des realen Alltags wie z.B. die Welt der Ghettos bei „The Yellow Kid“ wurden bewusst ausgeklammert; mit der Taumwelt und den Traumhelden der damaligen Comics allerdings konnte sich das breite Publikum identifizieren. Die Traumwelten entstammten dabei weitgehend Abenteuerromanen. Als Beispiel seien die Romane „Tarzan“ von Edgar Rice Burroughs, „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe oder „Ivanhoe“ nach einem Roman von Sir Walter Scott angeführt. Die Hauptdarsteller der Comics entstammten dementsprechend dem Genre Dschungelheld, Ritter, Weltraumfahrer, Indianer/Cowboys/Wilder Westen o.ä.
So stand stellvertretend für den Dschungelhelden selbstverständlich Tarzan, -aber auch „Akim“ oder „Tibor“ lehnten sich an das berühmte Vorbild an. Später erhielt sogar Tarzans Sohn „Korak“ eine eigene Serie.
Bei den Rittern dominierte natürlich Ivanhoe; in der BRD der 50er und 60er Jahre erreichte allerdings dessen deutsche Version „Sigurd“ höchste Umsatzzahlen. Auch in diesem Genre gab es parallel bzw. nachfolgend ähnliche Ritterhelden, – der bekannteste war wohl „Falk“.

Aus dem Weltraummilieu, welches in den 50er Jahren durch den Abschuss des ersten Sputniks der damaligen Sowjetunion in die Umlaufbahn der Erde tagtägliche hohe Aufmerksamkeit genoss, stammt der Raumfahrer „Nick“, welcher die Erde lediglich als Basis seiner Abenteuer auf fremden Planeten verstand. Ein anderer Weltraumpilot war „Fulgor“. Aus dem Genre Indianer/Cowboys/Wilder Westen sei an dieser Stelle „Silberpfeil“ genannt. Die Abenteuer dieser Helden, gerade in der Form der kleinen Piccolos, passten natürlich unauffällig in unsere Schulranzen und konnten bequem unter der Schulbank gelesen werden.

Sigurd Comic

Uns interessierte damals nicht, dass die zeichnerische Darstellung äußerst vereinfachend war. Irgendwie sahen die Helden auch alle gleich aus: muskulös mit ausgeprägtem Kinn, – und wenn zudem noch mit entblößtem Oberkörper dargestellt, waren Tarzan, Akim, Sigurd, Nick oder Tibor kaum zu unterscheiden. Gut, der geübte Konsument hatte da schon seine Unterscheidungsmerkmale, und wenn es z.B. nur eine zusätzliche Locke war. Auch die Handlungen waren, heute in der Rückschau betrachtet, ja fast immer gleich. Ob es sich nun um Raub, böse Tiere oder böse Menschen oder etwas Geheimnisvolles handelte: Gute und Böse sowie recht einfach strukturierte Handlungen zeichneten die Geschichten aus.
Obwohl unsere Helden eigentlich Anlass gegeben hätten, die Abenteuer differenzierter zu handhaben, ist gerade dies nicht der Fall. Tarzan, Akim und Tibor als Dschungelhelden, Nick als Raumfahrer oder Sigurd und Falk als Ritter müssten sich eigentlich in völlig verschiedenen Sphären oder Welten bewegen. Ihre Abenteuer lägen auch zeitlich, wie die von Rittern verglichen mit denen eines Raumfahrers normalerweise einige Jahrhunderte auseinander.

Tatsächlich aber ähneln sich die Helden nicht nur im Aussehen, sie scheinen auch alle inNicks derselben Zeit zu existieren. Unterschiede sind hier nicht auszumachen, – so kämpfen sowohl unsere Dschungelhelden, unsere Ritter genauso wie Raumfahrer Nick gegen Saurier und ähnliche Ungeheuer. Man könnte zu der Auffassung gelangen, Saurier gäbe es überall im Weltall und dies noch zu allen Zeiten. Mal begegnen wir den Sauriern bei uns auf der Erde, ein anderes Mal zusammen mit unserem Helden Nick auf irgendeinem Planeten in den Fernen des Weltraums. Die Helden kämpften mal in der Steinzeit, ein anderes Mal in der fernen Zukunft.
Die unvermeidlichen Gegner und Schurken sahen ebenfalls recht gleich aus. Flugzeuge oder hochtechnische Waffen gab es scheinbar auch an jedem Ort zu jeder Zeit.
Irgenwie war uns dies alles egal. Die Heftchen wurden verschlungen und begleiteten uns bis tief in die 60er Jahre.

Ich möchte den Einstieg in die Welt der Comics hier vorläufig beenden. Wir haben gesehen, dass die scheinbar so einfache Welt der Comics auch eine ganz schwere sein kann.
Die hier angesprochenen Comicfiguren sowie moderne Comics werden als Unterseiten dieses kleinen Einstiegs zusätzlich behandelt. Auf den Unterseiten werde ich auch noch auf die Verlage, in welchen unsere Comics publiziert wurden, eingehen. Stellvertretend sei an dieser Stelle der Walter Lehning Verlag Hannover mit seinen kultigen Piccolos der 50er und 60er Jahre genannt.

Weitere Artikel zum Thema Comics:

Akim, Herr des Dschungels
Falk, Ritter von Steinfeld
Sigurd, der ritterliche Held
Tibor, Sohn des Dschungels
Walter Lehning Verlag


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3 Kommentare über “Comics”

  1. Helmut Schober schrieb:
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    Hallo

    wer hat noch alte Micky Maus Hefte aus den
    50er Jahren.

    Bitte eine Mail schreiben mit Anzahl und Jahres tag der Hefte.

    Danke und viele Grüße
    Helmut

  2. Johanna schrieb:
    Dem Autor eine E-Mail senden!
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    Hallo, ich habe in einem Album mit mehreren Seiten voll säuberlich ausgeschnittener Comics von ‚Spione einer anderen Erde‘. Besteht daran Interesse? Liebe Grüße, Johanna

  3. P.Guckler schrieb:
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