Alte Bücher sammeln

Die Geschichte des Buchdrucks

Alte Bücher sammeln, bedeutet auch, sich mit dem Buchdruck auseinander zu setzen. Die Geschichte des Buchdrucks ist eng gekoppelt an die Entwicklung des Hochdruckes und hier speziell des Holzschnittes sowie das Aufkommen der ersten Papiermühlen. Der Nürnberger Ulrich Stromer (1329 – 1407) baute im Jahre 1390 aus einer alten Kornmühle die erste Papiermühle Deutschlands in der Nähe von Nürnberg. Die ehemalige Kornmühle, die Gleismühle, war an der Pegnitz gelegen. Mit dem Schöpfen von Papier konnte nun, statt auf Pergament, rationeller gedruckt werden. Der Buchdruck, ein Hochdruckverfahren, war schon lange bekannt, bevor Johannes Gutenberg das Buchdruckverfahren unter anderem mit der Einführung beweglicher Metall-Lettern sowie der Erfindung der Druckerpresse revolutionierte.

Erst durch diese Erfindung des Mainzers Gutenberg wurde eine quasi industrielle Herstellung von Büchern möglich. Danach breitete sich der Buchdruck über ganz Europa aus. Bis zum Jahre 1500 dürften etwa 250 Buchdruckereien existiert haben.Beispiel für alte Bücher: Bilderhandschrift aus dem Mittelalter

Das handgeschriebene Buch, Papyrusrollen, Codex und Blockbücher

Bis zur Erfindung von Johannes Gutenberg musste jedes Buch, ob es nun um solche Werke wie das Evangeliar Heinrichs des Löwen handelte oder um eine Reisebeschreibung oder ein Lehrbuch für einen Klosternovizen, per Hand geschrieben werden.

Beispiel für eine spätmittelalterliche Bilderhandschrift

Diesbezüglich betrachtet, reicht die Geschichte des Buches weit in die Antike zurück. So soll bereits Cicero ein Büchersammler und Bücherliebhaber, ein Bibliophiler, gewesen sein. Andere taten sich, wie die deutschen Kaiser, als Gönner und Spender von Prachtbüchern hervor. Diese hervorragenden Bücher mit ihrer ausdrucksvollen Ornamentik und Farbtiefe sind heute unvergleichbar. In der Regel sind sie natürlich Unikate, denn eine der heutigen Zeit vergleichbare Vervielfältigungstechnik gab es nicht. Als erste geschriebene Bücher gelten heute die Papyrusrollen der alten Ägypter aus den Jahren um 3000 vor Christus.  Sie wurden in der Spätantike vom Codex oder auch Codice genannt abgelöst. Als Codices verstehen wir handbeschriebene Pergamentseiten, welche zusammengefaltet und mit Faden miteinander befestigt wurden. Es waren keine Rollen mehr, sondern sie besaßen schon fast Buchform. Noch mehr als die Codices erinnern uns die sogenannten Blockbücher an die spätere Buchform. Blockbücher sind Holztafeldrucke, bei welchen die Schrift zusammen mit den Bildern in das Holz geschnitten wurden, Text und Bild waren quasi eine Einheit. Blockbücher sollen bereits ab dem 7. Jahrhundert in China bekannt gewesen sein; in Europa sind sie wohl erst Anfang des 15. Jahrhunderts aufgetaucht.

Eines der bekanntesten handgeschriebenen Bücher des Mittelalters hatte seine Entstehung vor über 650 Jahren. Es ist die berühmte Goldene Bulle, die ein Mönch in schönsten engen Buchstaben geschrieben hat. Von der Go9ldenen Bulle, die zum Weltdokumentenerbe der Unesco gehört, existieren weltweit überhaupt nur noch 7 Exemplare. Es gehört zu den wichtigsten Kulturerben Deutschlands und ist in seinem Wert in Geld kaum aufzuwiegen. Die Goldene Bulle fasste die wichtigsten Gesetze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zusammen, so zum Beispiel den verfassungsmäßigen Ablauf der Wahl der deutschen Könige.




Inkunabeln und Postinkunabeln

Ein schönes Blockbuch aus dem MittelalterDer Buchdruck von Johannes Gutenberg, erfunden etwa um 1450, zeichnete sich durch einzelne gegossene Buchstaben aus, welche in beliebiger Reihenfolge aneinandergesetzt werden konnten.

Beispiel eines mittelalterlichen Blockdruckes als Vorläufer des Gutenberg-Druckes

Der Buchdruck Gutenbergs war die konsequente Weiterentwicklung der Blockbücher. Die Drucke seit seiner Erfindung bis zum Jahre 1500 werden in der Fachwelt als Inkunabeln bezeichnet. Die Drucke nach 1500 bis etwa 1520 bezeichnet man als Postinkunabeln.  Der Zeitraum der Inkunabel, des Wiegendrucks, ist exakt festgelegt von 1454, dem Druck der Gutenbergbibel, bis zum 31. Dezember 1500.

Alte Bücher sammeln – die Möglichkeiten

Aber all die Papyrusrollen, Codices, Blockbücher oder auch Inkunabeln dürften für den normalen Sammler nicht interessant sein, ganz einfach, weil der Großteil in Bibliotheken einlagert ist und sie ganz einfach nahezu unerschwinglich sind. Eine Unart ist es allerdings, noch frei erhältliche Inkunabeln oder Postinkunabeln auf die einzelnen Seiten auseinanderzunehmen und diese einzelnen herausmontierten Seiten anschließend teuer zu verkaufen. Man sollte doch, bei aller Liebe zu den alten Büchern, immer bedenken, dass es sich um hochwertigste Kulturgüter handelt.Inkunabel aus der Zeit um 1500

Beispiel einer Inkunabel, eines Buchdruckes, welcher zwischen 1454 und 1500 angefertigt wurde

Seit der Zeit der Postinkunabeln sind fast fünfhundert Jahre vergangen; dieser Zeitraum birgt für den Bibliophilen, den Sammler und Liebhaber von Büchern, eine unübersehbare Fülle an Möglichkeiten, seine Sammelleidenschaft auszuleben. Oftmals muss man sich einen bestimmten Themenkreis konzentrieren, um nicht die Übersicht zu verlieren. Man kann sich auf das Sammeln von Kinderbüchern, Technikbüchern, religiösen Büchern, Pflanzenbüchern, Tierbüchern oder auch Kochbüchern fokussieren. Der Themenkreis alte Bücher ist nahezu unerschöpflich. Einige gern gesammelte Gebiete wollen wir auf den nachfolgenden Seiten nach und nach vorstellen.

Alte Bücher – Ihr Sammlerwert, Auktionspreise, Marktwert

Eines der bekanntesten aus dem Bereich alte Bücher: Das Evangeliar von Heinrich dem LöwenDas Evangeliar Heinrichs des Löwen

Das Evangeliar Heinrichs des Löwen wurde im 12. Jahrhundert im Benediktinerkloster Helmarshausen angefertigt. Heinrich der Löwe lebte von 1129 bis 1195 und war Herzog von Sachsen und Bayern. Helmarshausen ist ein Ortsteil der Hugenottenstadt Bad Karlshafen in äußersten Zipfel von Nordhessen. Das Evangeliar gilt als eines der Hauptwerke der Buchmalerei der Romanik. Es soll allein fast eintausendundsechshundert in Gold und Silber ausgestaltete Initialen beinhalten. Das Buch wurde in einer Auktion im Jahre 1983 im Londoner Auktionshaus Sotheby’s für über 32 Millionen Deutsche Mark von der Bundesrepublik Deutschland ersteigert. Das Evangeliar wird in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel aufbewahrt.

Das handgeschriebene Buch besitzt 226 Blätter mit fünfzig Miniaturmalereien, die jeweils eine ganze Seite füllen. Dazu kommen etwa 1.600 dem Stil der Zeit entsprechend verzierte Initialen, Abbildungen der Evangelisten, Kanonbilder, mehrere Zierseiten und Bilderseiten. Das Buch enthält alle vier Evangelien; seine Ausmaße sind 34,2 cm Höhe und 25,3 cm Breite.

Glossar Bücher

Inkunabel Drucke bis zum Jahre 1500
Postinkunabel Druck nach 1500 bis 1520
Bibliophilie Das Sammeln von Büchern
Codex Handgeschriebene Pergamentseite
Codice siehe Codex
Blockbücher Schrift wurde mit Bild ins Holz geschnitten
Wiegendruck Drucke von 1454 bis 1500, Inkunabeln
Holztafeldruck siehe Blockbücher

Tipps und Tricks

Ich besitze selbst viele alte Bücher und weiß, dass man seine liebe Not mit der Pflege dieser papierenen Schätze hat. Als typische Quälgeister in Büchern können Schaben und Silberfischchen bei Feuchte und Schimmel, Holzwürmer und sehr häufig die kleinen Bücherläuse. Alte Bücher sollte man daher auch immer sauber halten, regelmäßig abstauben und wenn man welche ersteigert oder auf dem Flohmarkt kauft, sollte zumindest ein prüfender Blick ins Innere vorangehen. Stockige Ware sollte man erst gar nicht erstehen. Ich weiß, das hört sich alles schön an, ich habe selbst Schwierigkeiten, mich an diese einfachen Grundregeln zu halten. Ich weiß auch von einem Büchernarren, dass es durchaus üblich ist, alte Bücher in größeren Abständen mit einem Insektizid zu besprühen.

Altes Papier kann man übrigens gut mit einem Radiergummi aus echtem Gummi säubern. Damit lässt sich feiner Schmutz ganz gut entfernen. Bei Öl- und Fettflecken wird es schon schwieriger. Ich habe mit Benzol ganz gute Erfahrungen gemacht, indem man das Mittel mit einem Lappen fein auftupft. Diese Flecken kann man aber ebenso wie Wachsflecken mit Hilfe eines Löschblattes und eines Bügeleisens herausbügeln. Einfach das Löschblatt auf die fettige Stelle legen, dann bügeln! Zweiprozentige Calciumperborat-Lösung benutzt man zum Entfernen von Kaffee- und Teeflecken. Stockflecken sind bräunliche Verfärbungen. Besonders alte Bücher, die in zu feuchten Räumen lagern, weisen diese Schimmelschäden auf. Man sollte diese Blätter zunächst einmal mit einer weichen Bürste abbürsten und danach in der Sonne richtig trocknen. Danach sollte man die Blätter mit einer leichten Chlorlösung, zum Beispiel Chloramin, behandeln. Chlor ist ein hervorragendes Bleichmittel.Wenn Papier gerissen ist, und dies kann bei alten Büchern leicht geschehen, kann man diesen Riss einfach mit Tapetenkleister heilen.

Alte Bücher besitzen in der Regel Leineneinbände oder Ledereinbände. Während Leineneinbände wieder sauber werden, indem man sie mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel betupft, sind bei der Reinigung von altem Leder mehrere Arbeitsschritte notwendig. Zunächst sollte der Ledereinband von alten Büchern mit lauwarmen Seifenwasser gereinigt werden, um danach in der Sonne zu trocknen. Danach wird das Leder mit einem Lederpflegemittel behandelt. Ein kleiner Tipp: Alte Bücher mit Ledereinbänden einmal versuchsweise mit Ballistol reinigen. Ich benutze dieses ungiftige Allheilmittel übrigens zum Einsprühen und Gängigmachen meiner Werkzeuge, zur Pflege meiner Fensterscharniere, meines Fernsehsessels und zur Pflege meiner Lederutensilien.

siehe auch

Alte Kinderbücher

Autobiographien

5 Kommentare über “Bücher”

  1. Sabine Kraus schrieb:
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    Verkaufe Insel-Bücherei Bücher aus dem Nachlass meines Großvaters. Gerne schicke ich eine Liste per eMail.

  2. Dieter Bührnheim schrieb:
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    Ein besonderes Sammelgebiet sind die signierten Bücher. Eine Signatur oder Widmung wertet jedes Buch noch einmal speziell auf, weil man weiß, der Autor / die Autorin, hatten dieses Exemplar wirklich einmal in der Hand. Ich sammle seit Jahrzehnten signierte Bücher und Widmungsexemplare und handele über mein Antiquariat damit.
    http://www.signiertebuecher.de

  3. F. Rubart schrieb:
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    Guten Tag,
    gern möchte ich Sie darüber informieren dass zur Zeit eine umfangreiche Sammlung von Insel-Büchern (955 Bändchen)im Auktionshaus Weser (Bremen) angeboten wird.
    Freundliche Grüße
    Frauke Rubart

  4. Hortilibrist schrieb:
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    Man muss beim Sammeln von Büchern nicht immer nur auf die teuren Spitzenstücke schauen, sondern kann sich auch an alten Büchern zu Themen freuen, die einen selbst interessieren. So betreuen wir als Spezialantiquariat eine große Anzahl von Gartenfreunden, die viel Wissen aus alten Gartenbüchern ziehen. Antiquarische Gartenbücher eignen sich auch besonders als Geschenke (Weihnachten) für Gartenfreunde. Wir beraten Sie bei Interesse gerne.
    Seite: bibliotheca-botanica.de

  5. alter Knigge von 1876 schrieb:
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    Knigge aus dem Jahr 1876
    Tel.017648501001

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