Braun, Braun-Design

Wenn man hierzulande von Design spricht, denkt man zunächst natürlich an das Bauhaus oder den Werkbund. Aber der Begriff „Design“ oder aber auch „funktionales Design“ wird auch mit einigen Qualitätsfirmen in Verbindung gebracht. An vorderster Stelle steht in diesem Zusammenhang die Firma Braun. In der Rückschau hat sich auch der Begriff „Braun-Design“ eingeprägt.

Die Firma Braun – die Vorkriegsjahre

Im Jahre 1921 gründete Max Braun in Frankfurt a. M. eine kleine Firma für Apparatebau. Mit dieser Werkstatt, in der er sich zunehmend der Entwicklung von Radios widmete, war der Grundstein für den späteren Weltkonzern gelegt. Meilenstein war für die Firma die Idee von Max Braun, kompakte Empfangsgeräte zu konzipieren, so zum Beispiel den Empfängerteil mit dem Lautsprecherteil in einem Gerät zu integrieren. Wenig später gelang es ihm zusätzlich, auch noch den Plattenspieler mit dem Radio zusammenzuführen. Hiermit war die Voraussetzung für die in den Folgejahrzehnten so beliebten Musiktruhen geschaffen. Bereits ein Jahrzehnt nach seiner Gründung war Braun in die erste Riege der deutschen Rundfunkbauer aufgestiegen. Die Erfolge der Firma hatten sich bis auf die Weltausstellung 1937 in Paris herumgesprochen; dort erfolgte eine dementsprechende Ehrung.
Das heute noch einprägsame Logo mit den den Familiennamen bildenden gleich hohen Buchstaben, aus denen lediglich das mittlere A, dessen oberer Teil nach oben gezogen wurde, herausragt, wurde 1934 kreiert und war meiner Meinung schon eine Glanztat für sich. Durch die Form des Logos wurde sogar der Allerweltsname Braun unverwechselbar! Der Erfolg der Rundfunkfirma Braun war so groß, dass die Firma bereits Ende der 30er Jahre über eintausend Angestellte und Arbeiter zählte!

Die Firma Braun nach dem Weltkrieg

Nach dem Krieg zu Beginn der 50er Jahre erweiterte die Firma Braun, die nun auch auf die Söhne Erwin und Artur setzen konnte, das Sortiment der Firma. Sie steigen in die Segmente Küchenmaschinen, Haushalt und Rasierer ein. Bekannt und beliebt sind zum Beispiel der „S 50“ für die Trockenrasur; bis dato kannte man nur die Nassrasur mit Pinsel und Rasierklinge. Der „S 50“ war der erste elektrische Trockenrasierer; er wurde 1950 dem Publikum vorgestellt. An Küchenmaschinen fällt mir der „Multimix“ als eine der ersten Haushaltsmaschinen ein.
Nach dem Tod ihres Vaters im Jahre 1951 übernahmen die Söhne die Firma; unter ihnen erfuhr das Braun’sche „funktionelle Design“ eine wahre Blüte.Rasierer Braun S 50, der Beginn des Braun-Design

Reklame von 1951. Der erste Trockenrasierer „S 50“. Der spätere Braun-Sixtant ist aber schon gut zu erkennen.

Gute Form, gute Handhabbarkeit und hohe Qualität – das funktionelle Design

Einer der damals führenden Designer war der ehemalige Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld (1900 – 1990), der ab 1954 in Stuttgart eine Industriedesigner-Werkstatt betrieb. Mit ihm geriet Erwin Braun Anfang der 50er Jahre im Darmstädter „Institut für Neue Technische Form“ in Kontakt. Wilhelm Wagenfeld hielt dort einen Vortrag über Design und Erwin Braun war hiervon so begeistert, dass er Wagenfeld mit umfangreichen Aufträgen für die Firma Braun versah.
Gutes Design kannten wir bereits vom Bauhaus und vom Werkbund. In diesem Sinne wurde auch an der 1953 gegründeten Ulmer Hochschule für Gestaltung gedacht, gehandelt und gelehrt. Sie nahm die Ansätze des während des Nationalsozialismus verbotenen Bauhauses auf galt während der 50er und 60er Jahre als eine der fortschrittlichsten Hochschulen für Design und Umweltgestaltung. Auch für diese junge Hochschule interessierte sich Erwin Braun, immer auf der Suche nach hervorragenden Designern. Eine Reihe der dortigen kreativen jungen Wilden sollten in den nachfolgenden Jahren für die Firma Braun arbeiten. Die bekanntesten waren gewiss Hans Gugelot (1920 – 1965), Otl Aicher (1922 – 1991), Herbert Hirche (1910 – 2002) und Fritz Eichler (1911 -1991).
Der Durchbruch des funktionalen Designs bei Braun war sicherlich die Düsseldorfer Funkausstellung im Jahre 1955. Die zusammen mit der Ulmer Hochschule entwickelten und dort ausgestellte Rundfunkgeräte erfuhren dort erstmals hohe internationale Anerkennung, was Braun dazu animierte, in der Firma eigens eine Abteilung für Produktgestaltung, für die „Gute Form“ anzusiedeln. Dies war die Geburtsstunde des heute bei Sammlers so beliebten „Braun-Designs“. Der oben erwähnte Fritz Eichler wurde Leiter der neuen Abteilung. Ein entscheidender Schritt war aber der Eintritt des genialen 1932 geborenen Dieter Rams in die Firma. Er und die Designer hoben das Braun-Design auf eine höhere Stufe, als im Jahre 1958 mehrere Produkte im berühmten New Yorker „Museum of Modern Arts“ aufgenommen wurden. Weiter ging es auf der Weltausstellung in Brüssel im selben Jahr. Braun-Erzeugnisse wurden als beste Beispiel der deutschen Nachkriegsindustrie gepriesen. Die Produkte von Braun trugen in nennenswerter Weise zum vielgerühmten „Made in Germany“ bei.
Ab 1961 übernahm dann Dieter Rams die Leitung der Abteilung für Produktgestaltung, wurde damit wichtigster Designer bei Braun. Er stand der Abteilung bis 1991 vor, bis 1996 Peter Schneider sein Nachfolger wurde. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die hohe Kunst des Designs bei Braun keine Unterbrechung oder Nachteile erfuhr, als die Firma 1967 vom amerikanischen Gilette-Konzern übernommen wurde.

Schwieriger Anfang für das neue Design

Dem „Braun-Design“ erging es zunächst wie vielen Innovationen. Es dauerte einfach seine Zeit, bis diese Produkte beim Volk „ankamen“. In den USA waren zum Beispiel die Trockenrasierer von Braun Verkaufsschlager, währenddessen sich halb Deutschland noch nass rasierte. Dies mag etwas übertrieben sein, aber die Nachkriegswirklichkeit in deutschen Wohnräumen war doch geprägt von diesen klumpigen unförmigen schweren und dunklen Holzmöbeln, die zwar handwerklich hervorragend gearbeitet, aber heute auch unter Sammlern noch immer nach Anerkennung ringen. Uns sind aus den 50er und 60er Jahren doch eher die leichten bunten Resopalmöbel in guter Erinnerung geblieben.
Jedenfalls, für die dunkle Wohnwirklichkeit in der damaligen Bundesrepublik waren die Braun’schen Produkte wie eine Revolution. Diesen Produkten musste sich erst einmal vorsichtig genähert werden. So vergingen doch jeweils einige Jahre, bis das funktionelle Design von der Bevölkerung akzeptiert wurde und dann aber auch über Jahre die deutsche Wohnwelt bestimmte.

Hervorragende Beispiele des Braun’schen Designs

Heute sehr gesucht sind die Phonosuper SK4 und SK5. Der Phonosuper war ein Kombigerät aus Radio und Plattenspieler; das Bahnbrechende an seiner Entwicklung war natürlich die Plexiglashaube, unter welcher sich sichtbar Plattenteller und Tonarm sowie die Radiobedienung befanden. Alle Bedienknöpfe befanden sich also oben unter der Haube, keiner mehr irgendwo an der Seite. Die helle Farbgebung mit dem Auftreten von Kunststoff, die Einbeziehung etwa der Lüftungsschlitze in die Gestaltung machten das Design aus und schufen natürlich einen absoluten Kontrapunkt zur bisherigen Wohnwelt. Entwickelt wurde der Phonosuper von Dieter Rams und Hans Gugelot. Noch in den 50er Jahren folgte der Heizlüfter „H 1“, der erste tragbare Plattenspieler „TP 1“ sowie die erste Musikanlage in HIFI-Qualität „studio 2“. Die Musikanlage bestand wie so viele noch während der 60er und 70er Jahre aus Einzelelementen. Dies ist heute nur noch bei Exponaten mit hoher Qualität anzutreffen wie im Profibereich. Ansonsten befinden sich heutzutage bei Billigmusikanlagen Tuner, Verstärker, CD-Teil u.s.w. alle in einem einzigen Plastikgehäuse. Die 60er Jahre begannen, viele aus meinem Jahrgang werden sich noch an die Reklame in Fernsehen, Kino, Radio oder an Litfaßsäulen erinnern, mit dem Trockenrasierer „Braun Sixtant“. Die Produktpalette von Braun reichte in den 60ern schließlich von Küchen- und Rundfunkgeräten, HiFi-Anlagen, Kaffeemaschinen, Rasierer, Uhren bis hin zu Feuerzeugen und Filmkameras. Kaum ein Segment wurde ausgelassen.
An die schon erwähnten Ehrungen schlossen sich im Laufe der Zeit weitere an; auf Ausstellungen und Messen wurde das „Braun-Design“ herausgestellt und prämiert, so auf der Industriemesse Hannover durch den „Corporate Design Award“ für ihr Produktdesign. Wenn man auf die Design-Leistungen der deutschen Industrie zu sprechen kommt, wird das „Braun-Design“ eine herausragende Rolle einnehmen. Es zählt zu den kulturellen Leistungen der Nachkriegszeit.

Der Konzern heute

Heute konzentriert sich der weiter sehr erfolgreiche Konzern auf wesentlich vier Bereiche, wobei weiterhin ein Hauptmerkmal auf der guten Form, dem funktionalen Design liegt. Die Hauptbereiche liegen traditionell weiter bei den Rasierern, beim großen Bereich Haushalt und Küche sowie den später hinzugekommenen Bereichen Haarentfernung und Haarpflege.
All die Produkte, die das Braun-Design berühmt gemacht haben, werden im ältesten Design-Zentrum Deutschlands, im „Institut für Neue Technische Form“ in Darmstadt, aufbewahrt und präsentiert.

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