Carette & Cie, Georges
Gründung und Produktpalette von Carette & Cie.
Georges Carette, Sohn eines Pariser Fotografen, wurde, nachdem er eine Nürnbergerin geheiratet hatte, in Nürnberg ansässig. Im Jahre 1886 gründete er dort seine Firma Carette & Cie. “Cie.” ist die veraltete Abkürzung für Compagnie; heutzutage ist die Abkürzung “Co.” üblich. Kompagnons von Carette waren zunächst sein Finanzier Hopf und später Paul Josephtal. Andere Mitinhaber sind mir nicht bekannt. Georges Carette war bereits bekannt mit Ignaz und Adolf Bing, welche ihm bei der Gründung der Firma behilflich waren. Carette wurde einer der Zulieferer von Bing. Carette war einer der genialen Tüftler dieser Zeit; er hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der elektrischen Eisenbahnen, war sogar der erste, der 1993 eine elektrische Straßenbahn vorstellte. Carette entwickelte ein breites Programm mit Blechautos, Eisenbahnen, Schiffsmodellen, und dies alles äußerst wirklichkeitsnah. Sein preiswertes schnelles Lithographieren mit anspruchsvollen Farben des Spielzeug hatte Vorbildcharakter; das Verfahren selbst, die sogenannte Chromo-Lithographie, wurde bereits im Jahre 1875 von Robert Barclay und John Fry in England entwickelt. Erstaunlich sind immer wieder die Beziehungen und Parallelen zur Firma Bing. Auch Georges Carette nahm so wie Bing kurz nach der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 enge Geschäftsbeziehungen mit der englischen Firma von Bassett-Lowke auf und belieferte diesen bis zum Beginn des ersten Weltkrieges 1914 vornehmlich mit Eisenbahnmodellen. Bing als auch Carette nahmen für die Lieferungen an Bassett-Lowke englische Lok- und Wagentypen als Vorbild. Seine mit Uhrwerk angetriebenen Autos und Schiffe produzierte Carette überwiegend ab Mitte des ersten Jahrzehnts. Enge Beziehungen unterhielt Carette auch als Lieferant zu Karl Bub.
Beginn des ersten Weltkrieges und Ende der Firma Carette
Carette hatte Zeit seines Lebens seine französische Staatsangehörigkeit beibehalten. Dies wurde ihm dann bei Beginn des Krieges mit dem Feldzug gegen Frankreich zum Verhängnis. Carette musste nach Frankreich fliehen; die Geschäfte wurden bis zur Aufgabe im Jahre 1917 von seinem Kompagnon weitergeführt. Die genauen Umstände bleiben jedoch unklar. Auf jeden Fall gründete sein langjähriger Geschäftspartner Bing eine Auffangfirma, die Bauer GmbH, welche die Firma von Carette übernahm. Die Richard Bauer GmbH war nur eine der vielen selbständigen Unternehmungen im weitverästelten Konzern der Gebrüder Bing. Bing übernahm mit der Bauer GmbH auch den Großteil der Werkzeuge und Formen von Carette, weitere Teile wurden von Karl Bub und Bassett-Lowke in England übernommen. Nach Beendigung der Spielzeugproduktion bei Bing wurden die Teile der Bingschen Bauer GmbH an den Zirndorfer Blechspielzeughersteller Fuchs weitergegeben. Carette starb 1954 im Alter von 93 Jahren in Paris.
Die Markenzeichen der Firma Carette & Cie. im Laufe der Jahre
Georges Carette verwendete im Laufe der Zeit zumindest drei bekannte Markenzeichen. Dies erste bekannte Markenzeichen mit den verschlungenen Initialen G und C verwendete die Firma bis ca. 1905. Das ovale schmucke Zeichen gab es in mehreren Ausführungen.



Samstag 24. Oktober 2009 um 19:07
Hallo,
mir liegen die Firmen-Registerauszüge des Amtsgerichtes Nürnberg in Kopie vor. Die Firma hieß 1886 (10. April 1886) Nürnberger Spielwaaren-Industrie-Gesellschaft Georges Carette & Co.und ab 1895 (25. März 1895) Georges Carette & Co., nachdem die Teilhaber Ignaz und Adolf Bing ausgestiegen waren.
Also niemals “& Cie.”