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| Blechspielzeug Restaurieren |
Anleitung Blechspielzeug restaurieren- Blechspielzeug reparieren- Blechspielzeug Reparatur
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Tipps und Tricks beim Restaurieren von alten
Blechautos und anderem Blechspielzeug
Teil 1
- Reinigung
- Blecharbeiten
- Werkstoffe
- Schleifen, Polieren
- Ausbessern
- Lackieren
- Werkzeuge
- Entrosten
von Hans-Georg Breiding
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Tipps zum Restaurieren von Blechspielzeug - eine erste
Einführung
Nachdem ich nun seit Jahren altes Blechspielzeug sammle und damit
im Zusammenhang auch restauriere, möchte ich an dieser Stelle auf
Wunsch einiger Sammlerfreunde zumindest Grundlegendes über das
Wiederherstellen alter Blechteile darlegen. Denn Literatur hierüber
gibt es so gut wie überhaupt nicht.
Ich gehöre gewiß nicht zu den Extremisten unter den Sammlern,
welche als Ziel haben, lediglich solches Spielzeug zu sammeln, das
noch nie von Kinderhand berührt wurde. Ich habe dies früher einmal
getan, aber ich habe gemerkt, dass der Spaß mit absolut unbespielter
Ware doch nicht so groß ist und habe dann fortan bespielte gesammelt
und sie anschließend teilweise restauriert, - und dies dann auch so
einfach wie möglich.
Aus diesem Grunde richten sich meine Hinweise auch im
Wesentlichen an Anfänger, - auch um von Anfang an grobe Fehler zu
vermeiden.
Nach dem Kauf auf Flohmarkt o.ä. steht zunächst eine
Grundreinigung an. Ich konzentriere mich an dieser Stelle auf die
Reinigung der äußeren Teile; das Innenleben ist eine ganz andere
Geschichte!
Grundreinigung
Da die meisten unserer Blechautos außen entweder lithographiert (die
früheren bis in die 50er Jahre) oder lackiert (die meisten nach dem
Krieg) sind, stellt sich zunächst die Frage nach geeigneten
Reinigungsmitteln. Aus Erfahrung sollte man auf keinen Fall scharfe
Allzweckreiniger wie Meister Propper usw. benutzen; damit kann
man mehr zerstören als dass man reinigt.
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Feinwaschmitteln gemacht, und
zwar mit flüssigen! Gute Erfahrungen mit .Perwoll., aber das meiner
Ansicht nach beste ist wohl .Sanso.. Es enthält keine Enzyme, keine
Bleichmittel (wichtig!), keine optischen Aufheller und ist ph-neutral.
Man gibt etwas Sanso in lauwarmes Wasser und reinigt vorsichtig
miteinem sehr weichen, nicht fasernden Tuch. Ersatzweise kann man
auch ein kleines handliches Stück Naturschwamm benutzen; für
schwierig zugängliche Stellen eignen sich gute weiche Rosshaar-
Pinsel. Bitte keine Billigpinsel verwenden, - diese verlieren permanent
Borsten! Bitte auch keine Watte verwenden, da können doch zu viele
Fasern in das Innere z.B. des Autos gelangen. Auf jeden Fall den
Lappen o.ä. nach Gebrauch gut spülen, um alle Schmutzteilchen zu
entfernen, die bei der nächsten Reinigung Schleifspuren hinterlassen
könnten.
Nach der Behandlung sollte unser Spielzeug gut abtrocknen. Dann
trocken lagern! Es kann vorkommen, dass das lackierte Spielzeug
nach Trocknung etwas angelaufen ausschaut; das ist nicht weiter
schlimm, sondern eher normal. Bei unseren lackierten Autos
empfiehlt es sich, sie mit Spiritus nachzubehandeln. Dies hat damit zu
tun, dass die alten Lacke in den allermeisten Fällen auf Spiritus-Basis
hergestellt wurden. Man sprüht das Spielzeug also mit Spiritus ein
und kann es anschließend noch einmal mit einem weichen Lappen
polieren. Der ehedem verlorene Glanz kommt zurück und der
eventuell aufgetretene Grauschleier verschwindet. Das Besprühen mit
Spiritus kommt einer Verjüngungskur für den alten Lack gleich! Bitte
darauf achten, reinen Spiritus zu verwenden und nicht den
verbreiteten Spiritus-Ersatz!
Die beschriebenen Spiritus-Arbeiten nicht in feuchten Kellerräumen
durchführen. Spiritus ist 96% er Ethanol, also fast reiner Alkohol, -
und Alkohol bindet Wasser. Das Ergebnis dieses Bindungsprozesses
ist das bekannte Anlaufen (Grauschleier) unseres Spielzeuges. Also
immer in trockener warmer Umgebung arbeiten, sonst kann es sein,
dass erneut ein Grauschleier entsteht.
Aber womit den Spiritus sprühen?
Ich habe mich letztendlich dazu entschieden, einen Parfümzerstäuber
zu benutzen. Dieser muß vorher allerdings gründlich gereinigt
werden. Das Oberteil lässt sich in der Regel abschrauben; das Glas
selbst dann in der Spülmaschine mitlaufen lassen. Den ehemaligen
Inhalt sollte man danach nicht mehr riechen können. Das Aufsprühen
des Spiritus erledige ich meist im Freien; wenn es im Hobbyraum
durchgeführt wird, dann allerdings nur bei guter Belüftung!! Ich gehe
jedenfalls immer auf Nummer Sicher und verwende den Spiritus im
Freien, denn der fein zerstäubte Spiritus ist hochexplosiv! Also: beim
Umgang mit Spiritus immer darauf achten: kein offenes Feuer, kein
Rauchen, keine Lichtschalter betätigen und so weiter!!
Und wenn ich nachlackieren muß?
Nahezu alle früheren Lacke wurden auf Spiritus-Basis hergestellt; d.h.
Spiritus war das verwendete Lösungsmittel. Spiritus-Lacke wurden zu
damaliger zeit nicht nur bei Blechspielzeug, sondern auch in der
Möbelindustrie oder Nähmaschinen z.B. verwendet.
Da die Spiritus-Lacke Spiritus als Lösungsmittel zur Grundlage
haben, vertragen sie sich nicht mit Nitro-Lacken oder modernen
Kunstharzlacken, welche teils auf Nitro-Basis aufgebaut sind oder
überhaupt kein Lösungsmittel verwenden.
Recht verträglich sind Modellbaufarben auf der Basis von
Universalverdünnern, die in jedem guten Kaufhaus erstanden werden
können. Verwenden kann man natürlich auch andere Spiritusfarben,
welche es noch im Handel gibt.
Ich selbst verwende zumeist Modellbaufarben der Firma "Revell".
Diese Firma bietet auch sonst recht nützliche Sammler-Utensilien an
wie Pinsel oder Hobby-Spritzpistolen zum Lackieren.
Ganzlackierung
Ganzlackierungen würde ich immer nur mit den hier dargestellten
Modellspritzpistolen ausführen; nur hilfsweise sollte auf die in jedem
Baumarkt angebotenen Autolack-Spraydosen zurückgegriffen werden,
mir selbst widerstrebt dies.
Schrammen und Kratzer
Sind auf unserem Blechauto lediglich Schrammen oder kleinere
Kratzer zu behandeln, so reicht in der Regel das Besprühen mit
Spiritus aus. Dieser löst ja oberflächig den alten Spiritus-Lack auf.
Diese obere Schicht verfließt anschließend, bildlich gesprochen, neu.
Bei tieferen Kratzern kann man die Stelle mit einem Pinsel, der in
Spiritus getaucht wurde, behandeln. Auch hier löst sich der Lack und
man kann den gelösten Lack mit dem Pinsel verteilen. Auch kleine
Absprünge lassen sich so behandeln.
Eine Alternative beim Ausbessern kleinerer Risse stellt die
Behandlung mit Schellack dar. Dieser ist im Fachhandel immer noch
erhältlich, lässt sich gut mit Spiritus lösen und härtet schnell aus.
Schellack in Spiritus lösen und dann streichen. In diesem Fall
allerdings auf die Schellackfarbe achten; in der Regel ist er
transparent. Auch Schellack ist ein harziger Naturstoff, der von
Insekten auf indischen Ficus-Arten produziert wird.
Absprünge und tiefe Kratzer
Etwas schwieriger wird es bei größeren Absprüngen und tieferen
Kratzern. Hier reicht es in der Regel nicht aus, durch Verdünnung,
also Lösen des Lackes mit Spiritus, die Farbe in die Schadenstelle
fließen zu lassen. Man bekommt zumeist Schwierigkeiten mit der
Originaldicke der ursprünglichen Lackschicht.
In diesen Fällen ist es angeraten, zunächst ausreichend Grundierung
aufzubringen, also mit der Grundierung den Höhenunterschied
auszugleichen. Die Grundierung sollte sauber auf dem Blech haften.
Man muß sich also schon die Mühe machen, den alten Lack zu
entfernen.
Mit der Zeit bekommt man Übung im Ausgleichen der alten
Lackdicke. Diese ist auch bei den verschiedenen Herstellern durchaus
unterschiedlich. Firmen, die schon einen gewissen Status vermittelten
und auch in einer höheren Preisklasse angesiedelt waren wie viele
Exemplare von Schuco, haben durchaus eine qualitativ bessere
Bearbeitung erfahren. Spielzeug, das von vornherein als
Wegwerfspielzeug konzipiert war, um ein schreckliches modernes
Wort zu benutzen, sind dementsprechend kostengünstig hergestellt
worden. So wurde z.B. bei CKO-Kellermann ohne eine Grundierung
lackiert!
Nicht nur Abplatzer, auch kleine Beulen und Dellen lassen sich durch
Aufgrundieren beheben. Vor dem Aufbringen des Lackes muß die
Grundierung ( u.a. bei Fa. Revell) gut geschliffen werden.
Für solche Arbeiten am Blech benutze ich einen kleinen handlichen
Dremel-Bohrer; zu diesem gibt es alle möglichen Aufsätze zum
Polieren, Fräsen, Entrosten usw.
Zum Schleifen der Grundierung kann man den Dremel mit
Schmirgelaufsatz benutzen. Das Schmirgeln sollte man vorher
allerdings an einem alten Blechteil üben. Schmirgelpapier in der
handelsüblichen Form benutze ich nicht, da man damit nicht
punktgenau arbeiten kann.
Man kann für die Blecharbeiten natürlich auch jeden anderen Bohrer
benutzen, wichtig ist nur, dass man die entsprechenden Vorsätze
bekommt und dass man den Bohrer entsprechend justieren kann, er
also eine Justierfunktion besitzt, so dass er von alleine läuft. Dann
kann er in einer Halterung an der Arbeitsplatte befestigt werden.
Dies ist sehr wichtig, da kaum einer so geschickt ist, in einer Hand
das zu bearbeitende Objekt zu halten und gleichzeitig mit der anderen
den Bohrer zu führen!
Andere Blecharbeiten
Risse, Brüche und ähnliches kann man in der Regel gut löten.
Vonnöten ist ein Hobby-Lötkolben; gelötet wird mit Zinn, damit
lassen sich Eisen- und Blechteile gut verbinden. Den Zinn gibt es im
Fach- oder Hobbyhandel in geeigneter Form. Man sollte auch das
Löten vorher an einem alten Stück Blech üben. Unten ist ein Fein-
Lötkolben abgebildet. Sie kosten um die 20 Euro.
Zuvor sollte man allerdings überlegen, ob sich die Schadstelle nicht
kleben lässt; die sogenannten 2-Komponenten-Kleber sind hierzu gut
geeignet . auch die Firma Revell bietet Kleber und Spachtelmasse an.
Eventueller Ersatz von Gußteilen
Auch hier leistet und Zinn gute Dienste. Nachdem wir mit Silikon-
Kautschuk zum Formenbau aus dem Bastelgeschäft die zu ersetzende
Figur nachgeformt haben (evtl. bei einem befreundeten
Sammlerkollegen), lässt man das erhitzte Zinn hineinfließen und
erkalten.
Rostfraß
Da das alte Blechspielzeug in der Regel aus ganz dünn gewalztem
Weißblech, also Eisen, besteht, muß bei nicht sachgemäßer trockener
Lagerung mit Rostfraß gerechnet werden. Kleinere Roststellen sollte
man gründlich entfernen, da sie sich sonst weiterfressen können. Die
weitere Behandlung erfolgt wie eben beschrieben. Bei leichteren
Ansätzen von Flugrost ist es die eigene Entscheidung, ob es sich
lohnt, einen Eingriff vorzunehmen oder ob man das Objekt nicht
sogar so belässt.
Biegen von Verbindungslaschen
Vorsicht beim Biegen von Verbindungslaschen; mit diesen ist zumeist
etwa der Aufbau eines Fahrzeuges auf dem Unterbau befestigt.
Mehrmaliges Biegen sollte verhindert werden. Da die Laschen
zumeist mitlackiert sind, kann sich beim Biegen mit der Zeit der Lack
lösen. Daher bitte vorher die Laschen etwas erwärmen, sie werden
dann geschmeidiger. Man kann hierzu eine starke
Punktstrahltaschenlampe benutzen mit der Stärke 80-100 Watt, - bei
behutsamem Umgang kann auch ein Fön benutzt werden.
Schriftzüge und andere Zierstreifen
Diese sind in vielen Fällen zusätzlich durch eine Lackschicht
geschützt. Meist wurde hierzu ein Klarlack auf Kopalharz-Basis
verwendet. Diese Lacke gibt es in gut sortierten Fach-
Farbengeschäften noch zu kaufen.
Kopalharz ist ähnlich wie Bernstein ein Naturharz, welches von
Bäumen stammt. Es beinhaltet ähnlich wie Bernstein ätherische Öle,
ist also brennbar. Deshalb benutzte Lappen und andere Utensilien
immer gut verschließen (Blechdose etc.).
Lithographien
Lithographien wurden in der Regel von externen Zulieferfirmen
ausgeführt; die fertigen Weißblechtafeln wurden im Flachdruck- oder
Rollenverfahren in sehr dünnen Schichten bedruckt. Dabei wurde jede
Farbe einzeln aufgedruckt und danach getrocknet, bevor der nächste
Arbeitsgang mit einer anderen Farbe anstand. Zwischendurch wurde
mit Silberlack überzogen. Diese hauchdünnen Farben sind kaum zu
restaurieren; unsere handelsüblichen Modellbaulacke sind dafür
zunächst zu dickflüssig. Man kann natürlich versuchen, mit
geeigneten Mittel, eventuell Spiritus, die Lacke zu verdünnen, aber
irgendwie wirkt ein Reparaturlack auf einer Lithographie immer wie
aufgesetzt,- unnatürlich. Lithographien belasse ich daher meist so, wie
sie sind.
Chromteile aufpolieren
Für die Chromteile wurde zumeist Nickel verwendet, der heutzutage,
da er häufig Allergien auslöst, kaum noch verwendet wird. Es handelt
sich also in der Regel nicht um Chrom, was so silbrig glänzt, sondern
Nickel. Zum Aufpolieren nimmt man am Besten ein
Versilberungsmittel. Gute Erfahrungen habe ich mit .Silverlife.
gemacht; diese Flüssigkeit ist mit Silberkarbonat versetzt. Silverlife
gibt es in Flaschen z.B. im Internet bei Fa. Waschbär für ca. 25 Euro.
Es haftet auf allen metallenen Gegenständen wie Eisen, Messing,
Kupfer oder Nickel und wird mit einem weichen Tuch oder feinem
Pinsel aufgetragen. Da es die Haut angreifen kann, bitte mit
Gummihandschuhen arbeiten. Beim Verchromen von Plastikteilen, so
wurde mir gesagt, kann man auf Chromsprays wie den Lackierchrom
der Firma Eurocolor zurückgreifen.
Ausbessern von Löchern, Abbruchstellen, tiefen Abplatzern, wenn
Grundierung nicht ausreicht
Bei solch groben Schäden kann man auf Plastik-Stahl der Firma
Weicon zurückgreifen. Er eignet sich auch für Verklebungen bei
gerissenen Teilen und haftet praktisch auf allen Materialien. Ihn gibt
es in verschiedenen Darreichungsformen; es handelt sich eigentlich
um einen Zweikomponenten-Kleber, dem metallische Mineralien
beigemengt sind. Nach Aushärten nimmt er auch eine metallische
Form an. Er lässt sich dann Polieren, Schleifen oder Bohren.
Ich hoffe am Ende, zumindest doch einige Anregungen für den
weiteren Einstieg in die Restauration von Blechspielzeug gegeben zu
haben und kann nur viel Glück und Erfolg wünschen.
Hans-Georg Breiding
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