Sammelgebiet Ansichtskarten und Postkarten
Eine kleine Einführung
Ansichtskarten gehören zum umfassenden Gebiet der Postkarten. Postkarten mit gedruckter Marke wurden im Jahre 1869 zum ersten Mal in Österreich nach einem Vorschlag des Klagenfurter Professors Emanuel Herrmann eingeführt. Er gilt heute als Erfinder der Postkarte. Die Idee war allerdings etwas älter und stammte vom Generalpostdirektor des Deutschen Reiches Heinrich von Stephan aus den Jahre 1865. Seine Idee einer Postkarte wurde jedoch verworfen, da man durch deren Einführung einen Verlust an Einnahmen befürchtete. Heute ist die Ansichtskarte die verbreitetste und beliebteste Form der Postkarte. Die davor zum Beschreiben freie Seite der Postkarte ist bei der Ansichtskarte mit einem Bild versehen. Hin und wieder wird die Ansichtskarte daher auch als Bildpostkarte bezeichnet. Die erste bekannte Ansichtskarte stammt aus dem Jahre 1870 und zeigt einen Kanonier. Dies weist bereits darau hin, dass unter dem Begriff “Ansicht” mehr das Ansehen irgendeines Motives gemeint ist und nicht nur die Ansicht mit geographischem oder landschaftlichem Hintergrund.Als Erfinder der Ansichtskarte 1870 gilt der Oldenburger Hofbuchhändler August Schwarz.
Unterschiedliche Motive auf Ansichtskarten
Die Motive auf den Ansichtskarten sind sehr vielfältig. So erschienen bereits um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert sogenannte Künstlerpostkarten; die Motive stammten von bekannten Künstlern dieser Zeit. Wir kennen solche Künstlermotive auch auf dem Gebiet der Werbekarten. Insgesamt sind die Motive auf Ansichtskarte so breit gefächert, dass sich der Sammler von Ansichtskarten auf eines oder wenige Motive konzentriert. Häufig gesammelt werden Ansichtskarten mit Motiven aus dem Bereich Landschaften, Stadtansichten und Stadtbilder, wichtige Gebäude, Porträts, Autos und Verkehr oder auch Erotica. Dies soll allerdings nur eine kleine Auswahl an Motiven darstellen.
Ansichtskarten als wichtige kulturhistorische Zeitdokumente
Kulturhistorisch am interessantesten finde ich persönlich die Stadtansichten und Stadtbilder, Ansichtskarten mit Landschaften, Autos sowie Abbildungen aus dem Alltagsleben. An solchen Motiven lässt sich am Spannendsten der Wandel der Zeit nachvollziehen, die Entwicklung von Städten und Ortschaften verfolgen, der Umgang mit Landschaft überprüfen oder auch Verlorenes und Zerstörtes wieder auffindbar machen. Viele Nachbauten ehedem zerstörter Häuser waren zum Beispiel nur aufgrund alter Ansichtskarten möglich. Alte Ansichtskarten sind insbesondere lokalhistorisch als Zeitdokumente für Sammler von hohem Wert.
Das Sammelgebiet Ansichtskarten
Das Sammelgebiet Ansichtskarten war bereits um das Jahr 1900 sehr weit verbreitet. Man muss dazu berücksichtigen, dass Ansichtskarten zu jener Zeit fast das einzige Medium darstellte, mit welchem man mit Bildern kommunizieren konnte. Fernsehen, bebilderte Zeitschriften oder auch die Fotografie befanden sich gerade in ihren Anfängen! Bis zum Ende der ersten Weltkrieges dauerte diese Hochphase der Philokartie, wie das Sammeln von Ansichtskarten beziehungsweise Postkarten überhaupt bezeichnet wird. Viele militärische Motive kamen hinzu. In Deutschland und Europa entstanden etliche Philokartisten-Vereine. Eine neue Renaissance des Sammelns dieser Karten zeichnete sich bereits ab Ende der 60er Jahren wieder ab. Wahrscheinlich haben zu dieser Renaissance auch die Zerstörungen des 2. Weltkrieges beigetragen; auf den alten Ansichtskarten konnten noch die unzerstörten Zustände betrachtet werden.
Die Bilder auf den Ansichtskarten bestehen in heutiger Zeit vorwiegend aus Reproduktionen von Fotografien. Für den Sammler sind eher Ansichtskarten mit Original-Fotografien, sogenannten Echtfotografien, von Wert. Nachgefragt sind natürlich die alten Ansichtskarten, insbesondere die um die Zeit der Jahrhundertwende oder davor, welche üblicherweise noch als Lithografie erhältlich oder auch teilweise lithografiert waren. Auch andere Druckverfahren wurden angewendet. Früh kam zusätzlich der Brauch auf, bestimmte zu bewerbende Gegenstände, zum Beispiel Autos, in die Szenerien einzuzeichnen.

