Amulette und Talismane sammeln

Einführung in das Sammelgebiet Amulette sammeln

Amulette sammeln kann, denke ich , ganz schön anstrengend sein. Zunächst erscheint das Sammelgebiet, verglichen mit anderen Steckenpferden, recht unübersichtlich. Aber fragen wir uns doch zunächst, welche Funktion einem Amulett oder einem Talisman zuzuschreiben wäre. Zunächst gilt das Amulett oder der Talisman als Glücksbringer. Der typische Glücksbringer ist für viele von uns das Hufeisen. Man findet es oft auf dem Lande über der Eingangstür von Häusern. Sieht man sich allerdings näher an, wie die Hufeisen angebracht wurden, so fällt auf, dass entweder die offene Seite des Eisens nach unten zeigt, in vielen Fällen aber auch nach oben. Zeigt das Hufeisen nach oben, so will man damit erreichen, dass das Glück nicht ausgeschüttet werden kann. Das Hufeisen hat in diesem Falle die Aufgabe eins Glücksbringers. Anders verhält es sich, wenn die Öffnung des Hufeisens nach unten zeigt. So angeordnet, soll Unglück vom Hause abgewendet werden oder auch die Hineingehenden geschützt werden. Man sieht, es ist oftmals so, dass einem Talisman oder Amulett beide Funktionen, Glück bringen als auch vor Unglück bewahren, zugeordnet werden.

Die Vielfalt der Sammelgegenstände

Aber zurück zur Unübersichtlichkeit des Sammelgebietes. Da die Zuordnung von „Glück oder Unglück bringend“ zu einem Gegenstand fast schon die Bereiche des Mystischen oder gar Esoterischen tangiert, ist die Zahl solcher kultischen Objekte unübersehbar hoch. Vergleicht man das Sammelgebiet mit zum Beispiel dem Sammeln von Blechspielzeug, so besteht allein schon von vom Herstellungsmaterial ein gewaltiger Unterschied. Beim Blechspielzeug füllt man seine Sammlung ausschließlich mit Gegenständen aus Blech. Amulette und Talismane könne dagegen aus Metall, Stoff, Glas, Papier, Plastik, Stein, Mineralien und Kristalle, Horn oder einem Gemisch von diesen gefertigt sein, sie können allerdings auch rein natürlich sein wie zum Beispiel ein vierblättriges Kleeblatt, welches seinem Finder ja auch alles Glück dieser Welt bescheren soll. Bekannte Amulette, Glücksbringer als auch Unglücksbewahrer sind hierzulande noch der bekannte Glückspfennig, die Unzahl an Christophorus-Medaillen in Gedenken an den Schutzheiligen Christophorus oder auch, – besaß ich selbst, der eigene ausgefallene Milchzahn, wie ein wertvoller Diamant gefasst. Amulette: Medaille des Heiligen Christophorus

Im Bild die Medaille des Heiligen Christophorus als Anhänger

Amulett und Talisman haben viel mit dem bekannten Maskottchen zu tun. Der Begriff des Maskottchens wird allerdings heute mehr im Bereich der Werbung und Vermarktung gebraucht; er geht fast schon in die Richtung der Werbefiguren, über die ich an anderer Stelle berichte, oder ganz modern in die Richtung eines Logos. Diese Maskottchen oder Logos oder Werbefiguren können, und hier möchte ich doch einen Unterschied sehen, eine Grenze ziehen zum Bereich Amulette sammeln, in der Größe der Gegenstände stark differenzieren. Sie reichen von klein bis sehr groß. Denken wir an die kleinen Mainzelmännchen als Erkennungszeichen des Zweiten Deutschen Fernsehens, an den Pinguin Tux als Logo von Linux, an den Löwen des Fernsehherstellers Löwe-Opta oder an die großen Maskottchen wie den Michelin Mann Bib des Reifenherstellers aus Frankreich, an den Tiger des Benzinriesen Esso oder auch an den lebenden Ziegenbock Hennes des 1. Fussballclubs aus Köln.

Amulette und Talismane in der Kulturgeschichte

Amulette, und zwar Amulette herstellen als auch Amulette sammeln, hat es wohl in allen Kulturen des Menschen von jeher gegeben. Mit dem aufrechten Gang und dem Wissen, Feuer zu machen, war sich der Mensch in seiner Existenz als Mensch bewusst und hiermit wiederum waren kultische Handlungen verbunden. Dies dürfte bereits den Homo Erectus betreffen. Bereits beim Neanthertaler und erst recht bei den Höhlenmalern von Lascaux sind die kulturellen Fähigkeiten sehr ausgeprägt. So suchten bereits diese frühen Menschenformen nach Gegenständen, welche sie vor bösen Geistern oder Ähnlichem schützen sollten. Sie verehrten auch Gegenstände; in diesem Zusammenhang sprechen wir von Fetischen.

Auch die Völker der Antike kannten Amulette und Talismane. Der Begriff Talisman entstammt dem arabischen Raum; Talismane an Häusern waren im Zweistromland, dem alten Kulturland zwischen Euphrat und Tigris weit verbreitet. Die alten Ägypter verwendeten das Horusauge, ein Amulett gegen den bösen Blick; es ist noch heute weit verbreitet. Aus dem Islam kennen wir die ausgestreckte Hand mit den fünf Fingern. Das bekannteste Judenamulett dürfte das Hexagramm sein, der Davidstern. Dies sollen nur wenige Beispiele von kultischen Gegenständen aus dem Bereich Orient/Naher Osten sein; es ließen sich Seiten mit weiteren Beispielen füllen. Und so wie im Nahen Osten, gab es natürlich auch in den alten Kulturen Europas diese Gegenstände. So sind die spiralenförmigen Anhänger der Kelten sehr bekannt. Die Spiralen stellten Kraftfelder dar, die sich auf den Körper des Menschen übertragen sollten.

Eine Besonderheit spielte schon im Mittelalter, wahrscheinlich aber auch schon sehr viel früher, die Verwendung von organischem Material. Paradebeispiel hierfür ist der Steinbock. Das Horn des Steinbocks, sogar Teile des Fells oder gar das Blut sollten schützen und unverwundbar machen. Das wohl berüchtigste Amulett vom Steinbock stellte das sogenannte Herzkreuz dar. Mit Herzkreuz wird der kreuzartige Knochen bezeichnet, der sich im Herzen des Steinbocks befinden soll. Er sollte gar Hexen helfen abzuwehren. Desgleichen sollten Pentagramme gegen Hexen helfen. Die organischen Amulette könnten ganze Kuriositätenkabinette füllen. Pfoten von Dachsen, Bären, Wölfen, Füchsen, Krallen von Greifvögeln wurden gefasst und am Körper getragen. Neben den Pfoten wurden auch Zähne von Raubtieren gefasst und getragen. Etwas unheimlich muten einem die schon seit der Antike bekannten Reliqiendöschen an, kleine Dosen, in welchen sich angeblich Überbleibsel zum Beispiel bekannter Heiliger befinden und welche vor bösen Einflüssen schützen sollen.Altes Amulette aus Tibet

In unserem Kulturraum sehr verbreitet ist als Amulett oder auch Talisman das christliche Kreuz. Es gibt sie in allen möglichen Varianten und Ausführungen. Für den Sammler interessant, aber auch kostspielig, sind sicherlich die älteren Kreuzamulette des Mittelalters wie das Taukreuz, welches gegen die mittelalterliche Pest helfen sollte. Häufige Kreuzamulette sind die Segenskreuze für Häuser und Wohnungen; schon seltener sind das Ulrichskreuz gegen die Ratteninvasionen des Mittelalters, das Valentinskreuz gegen Epilepsie oder das Andreaskreuz gegen Diebstahl.

Altes Amulett aus Tibet

Amulett und Talisman in der heutigen Zeit

Amulette, Talismane, Fetische und Maskottchen haben von ihrer Faszination nichts eingebüßt. Im Gegenteil, das Sammelgebiet hat einen ganzen Industriezweig wachgerüttelt und auch gegründet. Viele Talismane und Amulette, welche alten historischen Gegenständen nachempfunden werden, kopiert werden, überschwemmen den Markt. Ein Renner sind die kleinen Medaillon-Döschen, aber auch Requisiten aus dem Esoterik-Bereich. Sonnenrad-Amulette, Buddha-Amulette, chinesische Jade-Anhänger, keltische Pentagramme, spirale Anhänger, gefasste Zähne aller möglichen Tierarten, ja selbst die Himmelsscheibe von Nebra gibt es neuerdings als Amulett. Hinzu kommen die vielen Mineral- und Halbedelsteine mit den ihnen zugeschriebenen Heilkräften. Der Markt ist für den Sammler, und an dieser Stelle komme ich auf meine einleitenden Sätze zurück, unübersehbar. Das Diffizile ist zudem, dass die Unterscheidung von alt, also Original und neuzeitlicher Imitation, manchmal sehr schwer zu treffen ist. Ungeachtet dessen, ist, sollte man sich diesem Sammelgebiet widmen, eine Spezialisierung auf zum Beispiel christliche Amulette oder prähistorische Kultgegenstände oder anderen Spezialgebiete nach meiner Einschätzung dringend angeraten.

Glossar Amulette

Charivari Mehrere Amulette an einer Kette
Menorah Jüdisches Amulett, siebenarmiger Leuchter
Fetisch Gegenstand, welcher aus spirituellen Gründen verehrt wird
Bezoar Verkalkte Haarkugel im Magen des Steinbocks
Drudenfüße Pentagramme als Amulette
Skapuliere Tuchstreifen von Ordenstrachten zum Schutz vor Bösem
Anch-Zeichen Ägyptische Hieroglyphe als Zeichen für Leben

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